Wechseljahre beim Mann: was hinter dem Begriff steckt
Wechseljahre beim Mann: was hinter dem Begriff steckt
Wichtig vorweg
Dieser Artikel erklärt allgemeine Zusammenhänge und ersetzt keine ärztliche Beratung. Nachlassende Lust, Erektionsprobleme, Erschöpfung und Stimmungstiefs haben bei Männern ab 40 viele mögliche Ursachen, von denen einige behandlungsbedürftig sind. Anlaufstellen sind die hausärztliche, urologische oder andrologische Praxis. Testosteronpräparate gehören ausschließlich in ärztliche Hände.
Mitte 40, und irgendetwas ist anders. Die Energie reicht nicht mehr bis zum Abend, die Lust ist leiser geworden, der Bauch wächst trotz gleicher Gewohnheiten, und die Laune schwankt häufiger als früher. Irgendwann fällt der Begriff: Wechseljahre beim Mann.
Der Begriff ist griffig und verbreitet. Er legt allerdings einen Vergleich nahe, der biologisch nur bedingt trägt, und er lenkt den Blick oft vorbei an den Ursachen, die sich tatsächlich beeinflussen lassen.
Dieser Artikel ordnet das Thema sachlich ein. Er erklärt, was mit dem Testosteron im Alter wirklich passiert, welche Beschwerden dazugehören, welche Faktoren den Spiegel stärker drücken als die Jahre, wie ein Mangel sauber festgestellt wird und was eine Testosterontherapie leisten kann und was nicht.
Gibt es Wechseljahre beim Mann?
Einen vergleichbaren Umbruch wie bei Frauen gibt es beim Mann nicht. Bei Frauen endet die Hormonproduktion der Eierstöcke innerhalb weniger Jahre fast vollständig. Beim Mann produzieren die Hoden bis ins hohe Alter weiter Testosteron, der Spiegel sinkt nur langsam.
Umgangssprachlich wird trotzdem von Wechseljahren des Mannes gesprochen, in der Fachliteratur tauchen Begriffe wie Andropause, Klimakterium virile oder PADAM auf. Sie alle beschreiben dasselbe Phänomen: Veränderungen im mittleren und höheren Alter, die mit einem sinkenden Testosteronspiegel in Verbindung gebracht werden.
Der entscheidende Unterschied zur Frau
Bei Frauen ist die Menopause ein biologischer Endpunkt. Die Eizellreserve ist erschöpft, die Eierstöcke stellen die Hormonproduktion ein, und der Östrogenspiegel fällt innerhalb weniger Jahre auf einen Bruchteil. Jede Frau, die ein entsprechendes Alter erreicht, durchläuft diesen Übergang.
Beim Mann fehlt ein solcher Endpunkt. Die Hoden bilden auch mit 70 oder 80 Jahren noch Testosteron und Spermien. Der Rückgang verläuft schleichend, individuell sehr unterschiedlich und führt nur bei einem kleinen Teil der Männer in einen Bereich, der als Mangel gilt.
| Merkmal | Frau | Mann |
|---|---|---|
| Verlauf | Deutlicher Rückgang über wenige Jahre | Langsamer Rückgang über Jahrzehnte |
| Endpunkt | Ja, die letzte Regelblutung | Kein biologischer Endpunkt |
| Betroffen | Jede Frau im entsprechenden Alter | Nur ein kleiner Teil entwickelt einen echten Mangel |
| Fruchtbarkeit | Endet mit der Menopause | Bleibt grundsätzlich erhalten, nimmt aber ab |
| Hauptfaktor für Beschwerden | Hormonabfall selbst | Häufig Gewicht, Schlaf und Erkrankungen, seltener das Alter allein |
Wie der Fachbegriff lautet
Medizinisch wird ein im Alter auftretender Testosteronmangel mit passenden Beschwerden als Late-Onset-Hypogonadismus bezeichnet, übersetzt etwa: spät einsetzende Unterfunktion der Hoden. Die Bezeichnung ist sperrig, aber präziser als der Begriff Wechseljahre, weil sie 2 Bedingungen verlangt: einen messbar niedrigen Wert und Beschwerden, die dazu passen.
Genau diese Doppelbedingung ist wichtig. Ein niedriger Wert ohne Beschwerden ist keine Erkrankung. Beschwerden ohne niedrigen Wert haben eine andere Ursache.
Die Zahl, die das Thema einordnet
In der European Male Ageing Study, einer der größten Untersuchungen zu diesem Thema mit über 3.000 Männern aus 8 europäischen Ländern, erfüllten rund 2 Prozent der Männer zwischen 40 und 79 Jahren die Kriterien für einen altersbedingten Testosteronmangel. Das heißt im Umkehrschluss: Die große Mehrheit der Männer mit Beschwerden in diesem Alter hat keinen behandlungsbedürftigen Hormonmangel.
Was mit dem Testosteron im Alter passiert
Ab etwa dem 40. Lebensjahr sinkt das Gesamttestosteron langsam, häufig werden rund 1 Prozent pro Jahr genannt. Stärker sinkt das freie, also biologisch verfügbare Testosteron, weil gleichzeitig ein Transporteiweiß im Blut ansteigt, das Testosteron bindet.
Um den Verlauf zu verstehen, lohnt ein kurzer Blick darauf, wie Testosteron im Blut unterwegs ist.
Gesamttestosteron
Die Summe aller Testosteronmoleküle im Blut. Dieser Wert wird bei einer Blutuntersuchung standardmäßig bestimmt und ist die wichtigste Grundlage jeder Einordnung.
Gebundenes Testosteron
Ein großer Teil ist fest an ein Transporteiweiß gebunden, das sexualhormonbindende Globulin, kurz SHBG. In dieser Form steht Testosteron den Zellen kaum zur Verfügung.
Freies Testosteron
Nur ein kleiner Anteil zirkuliert frei. Dieser Anteil wirkt an den Zellen. Weil SHBG mit dem Alter ansteigt, sinkt das freie Testosteron schneller als das Gesamttestosteron.
Warum der Rückgang so unterschiedlich ausfällt
Der durchschnittliche Rückgang ist gering. Hinter dem Durchschnitt verbergen sich allerdings große Unterschiede zwischen einzelnen Männern. Manche haben mit 70 Werte, die denen eines 30-Jährigen entsprechen, andere liegen schon mit 45 an der unteren Grenze.
Untersuchungen zeigen, dass der Gesundheitszustand dabei eine größere Rolle spielt als das Kalenderalter. Männer, die schlank und gesund altern, verlieren im Schnitt deutlich weniger Testosteron als Männer mit Übergewicht oder chronischen Erkrankungen. Mehr dazu im Abschnitt zu den Ursachen.
Der Tagesrhythmus
Testosteron folgt einem Tagesrhythmus. Die höchsten Werte werden in den frühen Morgenstunden gemessen, im Lauf des Tages sinkt der Spiegel ab. Bei jüngeren Männern ist diese Schwankung deutlich, mit dem Alter wird sie flacher.
Für die Praxis hat das eine wichtige Folge: Eine Blutabnahme am Nachmittag kann einen niedrigen Wert vortäuschen, der morgens im normalen Bereich gelegen hätte. Deshalb erfolgt die Messung nach Leitlinien am Morgen, meist zwischen 7 und 11 Uhr.
Langsam
Häufig genannt werden rund 1 Prozent pro Jahr beim Gesamttestosteron, beim freien Testosteron etwas mehr.
Individuell sehr groß
Der Gesundheitszustand beeinflusst den Spiegel stärker als das Kalenderalter.
Morgens am höchsten
Deshalb wird Testosteron für eine verlässliche Aussage am Morgen gemessen.
Echter Mangel selten
Rund 2 Prozent der Männer zwischen 40 und 79 erfüllen die Kriterien für einen altersbedingten Mangel.
Wer als Mann neu auftretende Hitzewallungen oder nächtliches Schwitzen bemerkt, findet die möglichen Ursachen ausführlich im Beitrag Hitzewallungen ohne Wechseljahre. Ein allmählicher Testosteronrückgang ist dafür nur selten die Erklärung.
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Die Beschwerden im Überblick
Mit einem Testosteronmangel werden zahlreiche Beschwerden in Verbindung gebracht, von nachlassender Lust über Erschöpfung bis zu Stimmungstiefs. Am engsten hängen dabei die sexuellen Zeichen mit einem niedrigen Wert zusammen. Viele andere Beschwerden sind unspezifisch und haben in diesem Alter häufiger andere Ursachen.
Symptomlisten zu den Wechseljahren des Mannes sind oft lang. Sie reichen von Müdigkeit und Reizbarkeit über Konzentrationsprobleme und Schlafstörungen bis zu Gewichtszunahme und Rückenschmerzen. Fast jeder Mann über 40 findet sich darin irgendwo wieder.
Genau darin liegt das Problem. Eine Liste, auf die fast alle passen, trennt nicht zwischen einem Hormonmangel und den vielen anderen Gründen, aus denen sich Männer in der Lebensmitte erschöpft fühlen. Hilfreicher ist die Frage, welche Beschwerden tatsächlich eng mit einem niedrigen Testosteronwert zusammenhängen.
Was die Forschung dazu herausgefunden hat
Die European Male Ageing Study hat genau diese Frage systematisch untersucht. Über 3.000 Männer zwischen 40 und 79 Jahren beantworteten detaillierte Fragebogen zu körperlichen, seelischen und sexuellen Beschwerden, gleichzeitig wurden ihre Testosteronwerte morgens gemessen.
Das Ergebnis war deutlich. Von 32 untersuchten Beschwerden zeigten nur 9 überhaupt einen Zusammenhang mit dem Testosteronspiegel. Und nur 3 davon, alle aus dem sexuellen Bereich, hingen so eng mit niedrigen Werten zusammen, dass sie für die Definition eines Mangels herangezogen wurden.
| Bereich | Beispiele | Zusammenhang mit Testosteron |
|---|---|---|
| Sexuell | Seltenere Morgenerektionen, weniger Lust, Erektionsprobleme | Am deutlichsten, Grundlage der Definition |
| Körperlich | Geringere Belastbarkeit, Probleme bei anstrengender Aktivität | Vorhanden, aber schwächer |
| Seelisch | Energielosigkeit, Niedergeschlagenheit, Erschöpfung | Schwach und wenig spezifisch |
| Allgemein | Schlafprobleme, Konzentration, Reizbarkeit | Häufig, aber meist mit anderen Ursachen |
Was daraus folgt
Wer vor allem erschöpft, lustlos im allgemeinen Sinn und schlecht gelaunt ist, aber keine sexuellen Veränderungen bemerkt, hat mit geringerer Wahrscheinlichkeit einen Testosteronmangel. Das heißt keineswegs, dass die Beschwerden weniger ernst sind. Es heißt, dass die Ursachensuche breiter angelegt sein sollte.
Die 3 deutlichsten Zeichen
Seltenere Morgenerektionen, nachlassendes sexuelles Verlangen und Erektionsprobleme sind die 3 Beschwerden, die am engsten mit einem niedrigen Testosteronwert zusammenhängen. Treten alle 3 gemeinsam auf, steigt die Wahrscheinlichkeit eines echten Mangels deutlich.
Jedes dieser Zeichen kann auch andere Ursachen haben. Aussagekräftig wird es vor allem in der Kombination und wenn sich etwas gegenüber dem früheren Zustand verändert hat.
Seltenere Morgenerektionen
Nächtliche und morgendliche Erektionen entstehen unwillkürlich während des Schlafs und sind ein Hinweis darauf, dass Gefäße, Nerven und Hormone grundsätzlich zusammenspielen. Werden sie über Wochen deutlich seltener, ist das eines der aussagekräftigsten Zeichen.
In der EMAS-Studie zeigte gerade dieses Zeichen einen besonders engen Zusammenhang mit niedrigen Testosteronwerten.
Nachlassendes sexuelles Verlangen
Testosteron ist maßgeblich an der Libido beteiligt. Wenn das Interesse an Sex über Monate spürbar nachlässt, ohne dass sich an der Beziehung oder der Lebenssituation etwas geändert hat, kann ein Hormonmangel dahinterstecken.
Gleichzeitig reagiert die Lust empfindlich auf Stress, Schlafmangel, Konflikte, depressive Verstimmungen und Medikamente. Mehr dazu im Beitrag Libido beim Mann.
Erektionsprobleme
Schwierigkeiten, eine Erektion zu bekommen oder zu halten, hängen ebenfalls mit dem Testosteronspiegel zusammen. Hier ist allerdings Vorsicht bei der Zuordnung geboten, weil Erektionsprobleme in diesem Alter häufiger von den Blutgefäßen ausgehen als von den Hormonen.
Warum das so wichtig ist, steht weiter unten im Abschnitt zu Erektion und Herz.
Warum die Kombination zählt
Ein einzelnes Zeichen ist wenig spezifisch. Nachlassende Lust allein findet sich bei Männern mit hoher Arbeitsbelastung genauso wie bei Männern mit einem Mangel. Erektionsprobleme allein sind häufiger ein Gefäßthema.
Treten dagegen alle 3 Zeichen gemeinsam auf und haben sie sich über Monate entwickelt, ist eine Messung des Testosterons gut begründet. Genau diese Kombination diente in der EMAS-Studie als Kriterium, gemeinsam mit einem niedrigen Wert im Blut.
Veränderung
Entscheidend ist der Vergleich mit dem eigenen früheren Zustand, weniger ein absoluter Maßstab.
Dauer
Veränderungen über Monate sind aussagekräftiger als eine schwierige Phase über wenige Wochen.
Kombination
Alle 3 sexuellen Zeichen gemeinsam sprechen stärker für einen Hormonzusammenhang als jedes einzeln.
Messung
Erst der Blutwert am Morgen, wiederholt bestätigt, macht aus einem Verdacht eine Diagnose.
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Weitere mögliche Zeichen
Bei einem ausgeprägten Testosteronmangel kommen körperliche Veränderungen hinzu: weniger Muskelmasse und Kraft, mehr Bauchfett, abnehmende Knochendichte, weniger Körperbehaarung und in manchen Fällen Hitzewallungen. Diese Zeichen entwickeln sich meist langsam und fallen oft erst im Rückblick auf.
Die folgenden Veränderungen sind bei einem nachgewiesenen Mangel beschrieben. Für sich genommen sind sie wenig beweiskräftig, weil sie auch mit Bewegungsmangel, Gewichtszunahme und dem Älterwerden selbst einhergehen.
Muskeln, Fett und Knochen
Testosteron fördert den Aufbau und Erhalt von Muskulatur. Bei einem Mangel nehmen Muskelmasse und Kraft ab, während der Fettanteil steigt, besonders am Bauch. Das Verhältnis verschiebt sich also, auch wenn das Gewicht gleich bleibt.
Auch die Knochen sind betroffen. Testosteron trägt beim Mann, teils über die Umwandlung in Östrogen, zum Erhalt der Knochendichte bei. Ein länger bestehender Mangel kann das Risiko für Knochenschwund erhöhen, ein Thema, das bei Männern oft übersehen wird.
Haut und Behaarung
Bei einem ausgeprägten Mangel über längere Zeit kann die Körper- und Gesichtsbehaarung abnehmen, der Bartwuchs wird spärlicher, und das Rasieren ist seltener nötig. Diese Veränderung entwickelt sich langsam über Jahre.
Die Glatzenbildung am Kopf gehört ausdrücklich nicht in diese Reihe. Der erblich bedingte Haarausfall beim Mann hängt mit der Empfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber einem Abbauprodukt des Testosterons zusammen und ist kein Zeichen eines Mangels.
Stimmung, Antrieb und Schlaf
Niedergeschlagenheit, verminderter Antrieb, Reizbarkeit und Konzentrationsprobleme werden häufig mit einem Testosteronmangel in Verbindung gebracht. Ein Zusammenhang ist beschrieben, er ist allerdings schwach und wenig spezifisch.
Diese Beschwerden gehören ernst genommen, aber breit abgeklärt. Eine depressive Episode, chronischer Stress, eine Schlafapnoe oder eine Schilddrüsenstörung sind in diesem Alter häufigere Erklärungen. Ansatzpunkte gegen anhaltende Antriebslosigkeit finden sich im Beitrag Antriebslosigkeit überwinden.
Hitzewallungen und Brustveränderungen
Hitzewallungen treten beim Mann vor allem bei einem raschen und starken Abfall des Testosterons auf, etwa unter einer Hormonentzugstherapie bei Prostatakrebs. Bei einem langsamen altersbedingten Rückgang sind sie selten.
Eine Vergrößerung des Brustdrüsengewebes, fachlich Gynäkomastie, kann ebenfalls mit einem Ungleichgewicht zwischen Testosteron und Östrogen zusammenhängen. Sie gehört immer ärztlich abgeklärt, besonders wenn sie einseitig auftritt, schmerzt oder sich verhärtet anfühlt.
| Veränderung | Bei Testosteronmangel beschrieben | Häufigere andere Ursachen |
|---|---|---|
| Weniger Muskelkraft | Ja | Bewegungsmangel, Alter, Erkrankungen |
| Mehr Bauchfett | Ja | Ernährung, Bewegungsmangel, Schlafmangel |
| Abnehmende Knochendichte | Ja | Alter, Vitamin-D-Mangel, Medikamente wie Kortison |
| Weniger Körperbehaarung | Ja, bei längerem Mangel | Alter |
| Niedergeschlagenheit | Schwacher Zusammenhang | Depressive Episode, Stress, Schlafmangel |
| Erschöpfung | Schwacher Zusammenhang | Schlafapnoe, Schilddrüse, Blutarmut, Überlastung |
| Hitzewallungen | Vor allem bei raschem, starkem Abfall | Schilddrüse, Medikamente, Infekte, Angst |
| Brustvergrößerung | Ja | Übergewicht, Medikamente, Lebererkrankungen |
Diese Zeichen bitte zeitnah abklären lassen
- Einseitige, schmerzhafte oder verhärtete Brustvergrößerung.
- Veränderungen an den Hoden wie Verhärtungen, Schwellungen oder eine deutliche Größenabnahme.
- Anhaltende Niedergeschlagenheit über mehr als 2 Wochen, besonders mit Freudlosigkeit und Rückzug.
- Plötzlich einsetzende Erektionsprobleme bei gleichzeitigen Risikofaktoren für Herz und Gefäße.
- Ungewollter Gewichtsverlust, Fieber oder starkes nächtliches Schwitzen.
Erste Anlaufstelle ist die hausärztliche Praxis, bei sexuellen Beschwerden oder Veränderungen an den Hoden auch direkt die urologische.
Was den Testosteronspiegel wirklich senkt
Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Schlafmangel, eine unbehandelte Schlafapnoe, hoher Alkoholkonsum, bestimmte Medikamente und chronische Erkrankungen drücken den Testosteronspiegel stärker als das Alter selbst. Das ist die gute Nachricht an diesem Thema, weil sich mehrere dieser Faktoren beeinflussen lassen.
Wer von Wechseljahren beim Mann spricht, denkt meist an einen unaufhaltsamen Alterungsprozess. Die Forschung zeichnet ein anderes Bild: Ein großer Teil des Rückgangs, der bei Männern in der Lebensmitte gemessen wird, geht auf Faktoren zurück, die mit dem Kalenderalter nur indirekt zu tun haben.
Übergewicht, besonders am Bauch
Fettgewebe enthält ein Enzym, die Aromatase, das Testosteron in Östrogen umwandelt. Je mehr Bauchfett, desto mehr Testosteron geht auf diesem Weg verloren. Gleichzeitig beeinflusst ein erhöhter Östrogenspiegel die Steuerung in der Hirnanhangsdrüse, die daraufhin weniger Signal zur Testosteronbildung gibt.
In der EMAS-Studie war Übergewicht einer der stärksten Einzelfaktoren für niedrige Werte. Umgekehrt zeigen Untersuchungen, dass eine Gewichtsabnahme den Testosteronspiegel wieder ansteigen lässt, und zwar umso deutlicher, je mehr abgenommen wird.
Typ-2-Diabetes und Stoffwechsel
Bei Männern mit Typ-2-Diabetes finden sich deutlich häufiger niedrige Testosteronwerte als bei Männern ohne Diabetes. Der Zusammenhang wirkt in beide Richtungen: Eine gestörte Insulinwirkung senkt den Testosteronspiegel, und ein niedriger Spiegel begünstigt Bauchfett und eine schlechtere Zuckerverwertung.
Wer Diabetes hat oder erhöhte Blutzuckerwerte, sollte bei den typischen sexuellen Zeichen gezielt auf einen Mangel untersuchen lassen.
Schlafmangel und Schlafapnoe
Der größte Teil des Testosterons wird während des Schlafs gebildet. In einer vielzitierten Untersuchung sank der Testosteronspiegel junger, gesunder Männer bereits nach 1 Woche mit nur 5 Stunden Schlaf pro Nacht tagsüber um 10 bis 15 Prozent.
Noch deutlicher wirkt eine unbehandelte Schlafapnoe, bei der die Atmung nachts immer wieder aussetzt. Sie ist bei Männern mit Übergewicht häufig, bleibt oft lange unerkannt und geht mit niedrigeren Testosteronwerten einher. Warnzeichen sind lautes Schnarchen, beobachtete Atempausen und ausgeprägte Tagesmüdigkeit.
Alkohol
Regelmäßiger hoher Alkoholkonsum schädigt die testosteronbildenden Zellen in den Hoden direkt und belastet die Leber, die am Hormonstoffwechsel beteiligt ist. Gelegentlicher moderater Konsum spielt dabei eine deutlich geringere Rolle als tägliches Trinken größerer Mengen.
Medikamente und Substanzen
Mehrere Wirkstoffgruppen können den Testosteronspiegel senken. Besonders ausgeprägt ist der Effekt bei Opioiden, also starken Schmerzmitteln, bei längerer Einnahme. Auch Kortison in höherer Dosis über längere Zeit gehört dazu.
Ein Sonderfall sind Anabolika aus dem Kraftsport. Während der Einnahme stellt der Körper die eigene Produktion ein, und nach dem Absetzen kann es Monate dauern, bis sie sich erholt, in manchen Fällen deutlich länger. Medikamente sollten niemals eigenmächtig abgesetzt werden, der Zusammenhang gehört in die ärztliche Praxis.
Akute und chronische Erkrankungen
Eine akute Infektion, eine Operation oder eine schwere Erkrankung senken den Testosteronspiegel vorübergehend deutlich. Deshalb sollte eine Messung erst erfolgen, wenn eine akute Erkrankung überstanden ist.
Chronische Erkrankungen wie eine Nierenschwäche, eine fortgeschrittene Lebererkrankung, Herzschwäche oder chronisch entzündliche Erkrankungen gehen ebenfalls häufig mit niedrigeren Werten einher.
Stress und Überlastung
Anhaltender Stress wird oft als Testosteronräuber genannt. Belegt ist, dass eine dauerhafte Aktivierung der Stressachse die Hormonsteuerung beeinflusst und dass Stress indirekt über schlechteren Schlaf, mehr Alkohol, weniger Bewegung und Gewichtszunahme wirkt.
Der indirekte Weg dürfte dabei der wichtigere sein. Wer unter Dauerdruck steht, schläft schlechter, bewegt sich weniger und isst anders, und genau diese Veränderungen senken den Spiegel messbar. Ansatzpunkte finden sich im Beitrag Stress abbauen.
Extremes Ausdauertraining und Energiemangel
Auch das andere Ende des Spektrums kann den Spiegel senken. Sehr umfangreiches Ausdauertraining in Kombination mit einer zu geringen Energiezufuhr ist bei Männern mit niedrigeren Testosteronwerten verbunden. Das betrifft vor allem ambitionierte Hobbysportler, die gleichzeitig abnehmen wollen.
| Faktor | Wirkung auf Testosteron | Beeinflussbar |
|---|---|---|
| Kalenderalter | Langsamer Rückgang | Nein |
| Übergewicht, Bauchfett | Deutlich senkend | Ja |
| Typ-2-Diabetes | Deutlich senkend | Teilweise, über Gewicht, Bewegung, Therapie |
| Schlafmangel | Messbar senkend, schon nach 1 Woche | Ja |
| Schlafapnoe | Senkend | Ja, durch Behandlung |
| Hoher Alkoholkonsum | Senkend | Ja |
| Opioide, Kortison, Anabolika | Teils stark senkend | Nur in ärztlicher Absprache |
| Akute Erkrankung | Vorübergehend senkend | Erholt sich meist von selbst |
Was daraus praktisch folgt
Bevor ein niedriger Testosteronwert als Alterserscheinung verbucht wird, lohnt der Blick auf Gewicht, Schlaf, Alkohol und Medikamente. Diese Faktoren erklären bei vielen Männern einen größeren Teil des Rückgangs als die Jahre, und sie lassen sich angehen. Genau an dieser Stelle setzen auch die Empfehlungen in den Leitlinien an.
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Was es sonst sein kann
Erschöpfung, nachlassende Lust und Stimmungstiefs haben bei Männern ab 40 häufiger andere Ursachen als einen Testosteronmangel. Am wichtigsten sind depressive Episoden, Schilddrüsenstörungen, Schlafapnoe, Nebenwirkungen von Medikamenten und Erkrankungen von Herz und Gefäßen.
Diese Abgrenzung ist der wichtigste Teil der Abklärung, weil die genannten Ursachen anders behandelt werden und einige davon ernste Folgen haben können, wenn sie übersehen werden.
Depressive Episode
Bei Männern zeigt sich eine Depression oft anders als erwartet. Statt Traurigkeit stehen Reizbarkeit, Rückzug, Erschöpfung, vermehrter Alkoholkonsum und nachlassende Lust im Vordergrund. Genau diese Beschwerden werden dann leicht den Hormonen zugeschrieben.
Ein Hinweis auf eine depressive Episode ist, wenn über mindestens 2 Wochen Freude und Interesse fast durchgehend fehlen und der Antrieb anhaltend vermindert ist. Das gehört ärztlich abgeklärt, weil es gut behandelbar ist und sich unbehandelt oft verfestigt.
Schilddrüsenunterfunktion
Eine Unterfunktion der Schilddrüse verursacht Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Gewichtszunahme, Frieren und nachlassende Lust. Die Beschwerden überschneiden sich fast vollständig mit dem, was den Wechseljahren des Mannes zugeschrieben wird. Die Bestimmung des TSH-Werts im Blut klärt das einfach.
Nebenwirkungen von Medikamenten
Einige häufig verordnete Medikamente beeinflussen Lust und Erektion, ohne den Testosteronspiegel zu verändern. Dazu gehören bestimmte Antidepressiva, einige Blutdruckmittel und Wirkstoffe, die bei vergrößerter Prostata oder Haarausfall eingesetzt werden. Ein zeitlicher Zusammenhang mit einem neuen Medikament ist ein wichtiger Hinweis, den die Praxis kennen sollte.
Störungen der Hirnanhangsdrüse
Selten liegt die Ursache eines niedrigen Testosteronwerts in der Hirnanhangsdrüse, etwa bei einem erhöhten Prolaktinspiegel. Hinweise sind ein deutlich erniedrigter Wert bei jüngeren Männern, Kopfschmerzen oder Sehstörungen. Deshalb gehört zu einem bestätigt niedrigen Testosteronwert auch die Bestimmung der Steuerhormone LH und FSH, gegebenenfalls ergänzt um Prolaktin.
Eisenüberladung
Eine erbliche Eisenspeicherkrankheit, die Hämochromatose, betrifft Männer häufiger und früher als Frauen. Das überschüssige Eisen lagert sich unter anderem in der Hirnanhangsdrüse ab und kann dort einen Testosteronmangel verursachen. Müdigkeit, Gelenkbeschwerden und erhöhte Leberwerte sind weitere Hinweise. Ein Ferritinwert im Blut gibt eine erste Orientierung.
| Mögliche Ursache | Typische Hinweise | Erster Schritt |
|---|---|---|
| Depressive Episode | Rückzug, Reizbarkeit, Freudlosigkeit über 2 Wochen | Hausarzt, Psychotherapie |
| Schilddrüsenunterfunktion | Frieren, Gewichtszunahme, Müdigkeit | TSH im Blut |
| Schlafapnoe | Lautes Schnarchen, Atempausen, Tagesmüdigkeit | Hausarzt, Schlaflabor |
| Medikamente | Zeitlicher Zusammenhang mit neuem Präparat | Hausarzt, Apotheke |
| Herz und Gefäße | Erektionsprobleme bei Risikofaktoren | Blutdruck, Blutfette, Blutzucker |
| Hirnanhangsdrüse | Sehr niedriger Wert, Kopfschmerzen, Sehstörungen | LH, FSH, Prolaktin |
| Eisenüberladung | Müdigkeit, Gelenkbeschwerden, erhöhte Leberwerte | Ferritin im Blut |
Erektionsprobleme als Signal für Herz und Gefäße
Erektionsprobleme gehen bei Männern ab 40 häufig von den Blutgefäßen aus. Sie gelten als mögliches Frühwarnzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weil sie diesen oft um Jahre vorausgehen. Deshalb gehören bei Erektionsproblemen immer Blutdruck, Blutfette und Blutzucker geprüft.
Dieser Abschnitt ist der wichtigste in diesem Artikel für Männer, die neu Erektionsprobleme bemerken. Wer sie vorschnell auf die Hormone schiebt oder mit einem rezeptfreien Mittel überdeckt, übersieht möglicherweise ein deutlich ernsteres Signal.
Warum der Penis ein Frühwarnsystem ist
Eine Erektion entsteht, wenn sich die Blutgefäße im Penis erweitern und sich die Schwellkörper mit Blut füllen. Das setzt voraus, dass die Gefäßinnenwand gesund ist und flexibel reagiert.
Genau diese Gefäßinnenwand wird durch Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Diabetes und Rauchen geschädigt, und zwar im ganzen Körper gleichzeitig. Die Arterien im Penis haben allerdings einen deutlich kleineren Durchmesser als die Herzkranzgefäße. Dieselbe Veränderung macht sich dort deshalb früher bemerkbar.
In Untersuchungen gingen Erektionsprobleme einer koronaren Herzkrankheit häufig um mehrere Jahre voraus. Das eröffnet ein Zeitfenster, in dem sich Risikofaktoren noch wirksam behandeln lassen.
Bluthochdruck
Schädigt die Gefäßinnenwand über Jahre, oft ohne Beschwerden.
Erhöhte Blutfette
Begünstigen Ablagerungen in den Arterien.
Diabetes
Schädigt Gefäße und Nerven, beides ist für die Erektion nötig.
Rauchen
Einer der stärksten Einzelfaktoren für Gefäßschäden.
Was das für die Abklärung bedeutet
Wer als Mann ab 40 neu Erektionsprobleme bemerkt, sollte mit einer Abklärung von Herz und Gefäßen beginnen. Dazu gehören die Messung des Blutdrucks, die Bestimmung von Blutfetten und Blutzucker und die Frage nach Rauchen, Bewegung und familiärer Vorbelastung.
Das Testosteron gehört ergänzend dazu, besonders wenn gleichzeitig die Lust nachgelassen hat und morgendliche Erektionen seltener geworden sind. Beide Ursachen können auch zusammen vorliegen, weil Übergewicht und Diabetes sowohl die Gefäße schädigen als auch den Testosteronspiegel senken.
Sofort den Notruf 112 wählen bei
- Brustschmerz oder Engegefühl in der Brust, besonders bei Belastung oder mit Ausstrahlung in Arm, Kiefer oder Rücken.
- Plötzlicher Atemnot ohne erkennbaren Grund.
- Einer Erektion, die länger als 4 Stunden anhält, etwa nach Einnahme eines Potenzmittels.
Potenzmittel dürfen niemals zusammen mit nitrathaltigen Herzmedikamenten eingenommen werden, weil der Blutdruck dabei lebensgefährlich abfallen kann.
Wie ein Testosteronmangel festgestellt wird
Ein Mangel wird nur festgestellt, wenn 2 Bedingungen zusammenkommen: passende Beschwerden und ein niedriger Wert im Blut, bestätigt durch mindestens 2 Messungen an verschiedenen Tagen. Gemessen wird morgens und möglichst nüchtern, außerhalb einer akuten Erkrankung.
Die Diagnostik ist unspektakulär, aber sie hat klare Regeln. Wer sie kennt, kann einschätzen, ob ein Befund belastbar ist, und vermeidet, dass eine einzelne ungünstige Messung zu weitreichenden Entscheidungen führt.
Das Gespräch
Am Anfang stehen die Beschwerden: Seit wann bestehen sie, wie haben sie sich entwickelt, wie steht es um Lust, morgendliche Erektionen und Erektionsfähigkeit? Dazu kommen Fragen nach Schlaf, Alkohol, Medikamenten, früherer Einnahme von Anabolika, Kinderwunsch und Vorerkrankungen.
Die körperliche Untersuchung
Dazu gehören Gewicht und Bauchumfang, Blutdruck, der Zustand von Körperbehaarung und Brustdrüse sowie die Untersuchung der Hoden. Eine deutliche Größenabnahme oder Veränderung der Hoden ist ein wichtiger Befund.
Die erste Blutmessung
Bestimmt wird das Gesamttestosteron, morgens zwischen etwa 7 und 11 Uhr und möglichst nüchtern, weil auch eine zuckerhaltige Mahlzeit den Wert kurzfristig senken kann. Liegt eine akute Erkrankung vor, wird die Messung verschoben.
Die Bestätigung
Ist der Wert niedrig, folgt eine 2. Messung an einem anderen Tag unter denselben Bedingungen. Erst wenn sie den Befund bestätigt, gilt er als belastbar. Liegt der Wert im Grenzbereich, wird zusätzlich das freie Testosteron berechnet, wofür auch das Transporteiweiß SHBG bestimmt wird.
Die Ursachensuche
Bei einem bestätigten Mangel werden die Steuerhormone LH und FSH gemessen. Sie zeigen, ob die Ursache in den Hoden liegt oder in der Steuerung durch das Gehirn. Je nach Ergebnis folgen Prolaktin, Ferritin und weitere gezielte Untersuchungen.
Welche Werte als niedrig gelten
Die Grenzwerte unterscheiden sich je nach Leitlinie und Labor. Häufig wird ein Gesamttestosteron um 12 nmol/l, das entspricht etwa 3,5 ng/ml, als Schwelle genannt, unterhalb derer ein Mangel wahrscheinlicher wird. Deutlich darunter liegende Werte gelten als eindeutig erniedrigt.
Wichtig ist die Einheit. Labore geben Testosteron teils in nmol/l, teils in ng/ml oder ng/dl an. Wer Befunde vergleicht oder im Internet nachliest, sollte auf die Einheit achten, weil sich die Zahlen je nach Einheit stark unterscheiden.
| Messbedingung | Warum sie wichtig ist |
|---|---|
| Morgens zwischen etwa 7 und 11 Uhr | Testosteron ist morgens am höchsten, eine spätere Messung kann einen Mangel vortäuschen |
| Möglichst nüchtern | Eine zuckerhaltige Mahlzeit kann den Wert kurzfristig senken |
| Außerhalb akuter Erkrankung | Infekte und Operationen senken den Spiegel vorübergehend |
| Mindestens 2 Messungen | Einzelwerte schwanken, erst die Bestätigung macht den Befund belastbar |
| Nach ausreichend Schlaf | Schlafmangel senkt den Spiegel messbar |
Vorsicht bei Tests für zuhause
Speicheltests und Bluttests zum Einsenden werden auch für Testosteron angeboten. Sie liefern eine einzelne Momentaufnahme, oft ohne Kontrolle von Uhrzeit, Nüchternheit und Gesundheitszustand, und ohne ärztliche Einordnung. Wie beim Wechseljahre Test für Frauen gilt: Ein auffälliges Ergebnis führt ohnehin in die Praxis, wo neu gemessen wird.
Was eine Testosterontherapie leisten kann
Eine Testosterontherapie kommt nur bei einem bestätigten Mangel mit passenden Beschwerden infrage. Am deutlichsten verbessert sie Lust und sexuelle Funktion, die Effekte auf Energie, Stimmung und Muskulatur sind geringer. Sie unterdrückt die Spermienbildung und ist deshalb bei Kinderwunsch ungeeignet.
Testosteron wird meist als Gel auf die Haut aufgetragen oder in regelmäßigen Abständen gespritzt. Beide Formen gleichen einen Mangel zuverlässig aus. Die Frage ist, was dieser Ausgleich im Alltag bewirkt, und welche Einschränkungen dazugehören.
Was die Studienlage zeigt
Bei Männern mit bestätigtem Mangel verbessern sich unter Therapie am deutlichsten das sexuelle Verlangen und die sexuelle Aktivität. Bei Erektionsproblemen ist der Effekt geringer, weil diese häufig zusätzlich von den Gefäßen abhängen.
Moderate Verbesserungen sind bei Knochendichte, Muskelmasse und Blutbild beschrieben. Bei Energie, Stimmung und Leistungsfähigkeit fallen die Effekte in Studien klein aus. Wer vor allem erschöpft ist, erlebt deshalb oft eine Enttäuschung.
Herz und Gefäße
Lange war umstritten, ob eine Testosterontherapie das Herz-Kreislauf-Risiko erhöht. In einer großen Studie, die 2023 veröffentlicht wurde, traten bei Männern mit Mangel und erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko unter Therapie Herzinfarkte und Schlaganfälle nicht häufiger auf als unter Placebo. Einige andere Ereignisse, darunter Vorhofflimmern, wurden allerdings etwas häufiger beobachtet.
Das Ergebnis beruhigt, ersetzt aber keine individuelle Abwägung. Gerade bei Männern mit Herzerkrankungen gehört die Entscheidung in erfahrene Hände.
Was vor und während der Therapie geprüft wird
Kinderwunsch klären
Zugeführtes Testosteron bremst die eigene Spermienbildung. Bei Kinderwunsch kommen andere Behandlungswege infrage.
Prostata untersuchen
Vor Beginn werden die Prostata und je nach Alter der PSA-Wert geprüft, danach in regelmäßigen Abständen.
Blutbild kontrollieren
Testosteron steigert die Bildung roter Blutkörperchen. Steigt der Anteil zu stark, wird das Blut dicker und die Dosis angepasst.
Wirkung überprüfen
Nach einigen Monaten wird geprüft, ob sich die Beschwerden gebessert haben. Ohne erkennbaren Nutzen wird die Therapie beendet.
Wann eine Testosterontherapie nicht infrage kommt
- Bei bestehendem Kinderwunsch, weil die Spermienbildung unterdrückt wird.
- Bei Prostatakrebs oder Brustkrebs sowie bei unklaren Prostatabefunden.
- Bei bereits erhöhtem Anteil roter Blutkörperchen.
- Bei unbehandelter schwerer Schlafapnoe, die sich unter Therapie verschlechtern kann.
- Bei schwerer, unbehandelter Herzschwäche.
- Ohne bestätigten Mangel, etwa zur Leistungssteigerung oder als Anti-Aging-Maßnahme.
Testosteronpräparate sind verschreibungspflichtig. Präparate aus dem Internet ohne Rezept sind nicht kontrolliert und können gefährlich sein.
Was selbst hilft
Am besten belegt sind eine Gewichtsabnahme bei Übergewicht, regelmäßige Bewegung mit Krafttraining, ausreichend Schlaf, die Behandlung einer Schlafapnoe und weniger Alkohol. Diese Maßnahmen können den Testosteronspiegel messbar anheben und wirken gleichzeitig auf Herz, Gefäße und Stimmung.
Der Vorteil dieser Ansätze liegt darin, dass sie unabhängig vom Testosteronwert nützen. Wer sie umsetzt, verbessert die Werte, die bei Männern in der Lebensmitte am meisten zählen, gleich mit.
Bauchumfang reduzieren
Weil Bauchfett Testosteron in Östrogen umwandelt, wirkt eine Gewichtsabnahme direkt auf den Spiegel. Als einfacher Richtwert gilt beim Mann ein Bauchumfang ab 94 cm als erhöht und ab 102 cm als deutlich erhöht, gemessen auf Höhe des Bauchnabels.
Crash-Diäten sind dabei ungünstig, weil ein starkes Energiedefizit den Spiegel vorübergehend weiter senkt und Muskulatur kostet. Eine langsame, stetige Abnahme ist der bessere Weg.
Krafttraining und Bewegung
Regelmäßiges Krafttraining erhält Muskulatur, verbessert die Insulinwirkung und hilft beim Abbau von Bauchfett. Als Orientierung gelten 2 Einheiten pro Woche für die großen Muskelgruppen, ergänzt durch Ausdauerbewegung wie zügiges Gehen oder Radfahren.
Wer lange keinen Sport getrieben hat oder Vorerkrankungen von Herz und Kreislauf hat, sollte vor dem Einstieg ärztlich prüfen lassen, welche Belastung passt.
Schlaf schützen
7 bis 9 Stunden Schlaf mit festen Zeiten sind die Grundlage. Wer laut schnarcht, tagsüber ungewollt einnickt oder bei dem Atempausen beobachtet wurden, sollte eine Schlafapnoe abklären lassen. Ihre Behandlung verbessert Schlafqualität, Tagesmüdigkeit und in vielen Fällen auch die Hormonwerte. Konkrete Ansätze stehen im Ratgeber Besser schlafen.
Alkohol reduzieren und Rauchen beenden
Weniger Alkohol entlastet Hoden und Leber. Der Rauchstopp wirkt vor allem auf die Gefäße und damit auf die Erektionsfähigkeit, die oft stärker von der Durchblutung abhängt als vom Testosteron.
Was Nahrungsergänzungsmittel leisten
Im Internet werden zahlreiche Testosteron-Booster angeboten, meist Mischungen aus Pflanzenextrakten, Mineralstoffen und Aminosäuren. Belastbare Belege dafür, dass sie bei gesunden Männern den Testosteronspiegel relevant anheben, fehlen. Für die meisten dieser Stoffe gibt es in der EU keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben.
Eine zugelassene Angabe gibt es für Zink: Es trägt zu einem normalen Testosteronspiegel im Blut bei. Ein Zinkmangel ist bei ausgewogener Ernährung allerdings selten, und bei normaler Versorgung ist ein zusätzlicher Effekt nicht belegt.
Auch für Maca ist ein Einfluss auf den Testosteronspiegel nicht belegt. In Studien veränderte sich der Hormonspiegel unter Maca nicht. Was die Forschung zur Pflanze sonst hergibt, steht im Beitrag zur Maca-Wirkung.
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Wann zum Arzt
Ein Termin ist sinnvoll, wenn seltenere Morgenerektionen, nachlassende Lust oder Erektionsprobleme über Monate bestehen oder wenn Erschöpfung und Stimmungstiefs den Alltag beeinträchtigen. Zeitnah bei neuen Erektionsproblemen mit Risikofaktoren für Herz und Gefäße, bei Veränderungen an Hoden oder Brust und bei anhaltender Niedergeschlagenheit.
Viele Männer schieben den Termin auf, weil das Thema unangenehm ist oder weil sie die Beschwerden für eine normale Alterserscheinung halten. Genau dadurch werden behandelbare Ursachen oft spät erkannt, vor allem die an Herz und Gefäßen.
Zeitnah abklären lassen
- Neu aufgetretene Erektionsprobleme, besonders bei Bluthochdruck, Diabetes, erhöhten Blutfetten, Übergewicht oder Rauchen.
- Verhärtungen, Schwellungen oder Größenabnahme der Hoden.
- Einseitige, schmerzhafte oder verhärtete Brustvergrößerung.
- Niedergeschlagenheit über mehr als 2 Wochen, mit Freudlosigkeit, Rückzug oder Hoffnungslosigkeit.
- Lautes Schnarchen mit Atempausen und ausgeprägte Tagesmüdigkeit.
- Kopfschmerzen oder Sehstörungen gemeinsam mit nachlassender Lust.
- Frühere Einnahme von Anabolika und anhaltende Beschwerden nach dem Absetzen.
Erste Anlaufstelle ist die hausärztliche Praxis. Bei sexuellen Beschwerden oder Veränderungen an den Hoden ist auch die urologische oder andrologische Praxis direkt ansprechbar. Bei akuter seelischer Not ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenfrei erreichbar unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.
So bereitest du den Termin vor
Ein vorbereitetes Gespräch bringt deutlich mehr als ein spontanes. Sinnvoll sind 4 Punkte.
1. Eine kurze Beschreibung der Beschwerden: seit wann, wie haben sie sich entwickelt, wie steht es um Lust, morgendliche Erektionen und Erektionsfähigkeit. 2. Eine vollständige Liste aller Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, auch früher eingenommener Anabolika. 3. Angaben zu Schlaf, Alkohol, Rauchen und Bewegung. 4. Die Frage nach einem Kinderwunsch, weil sie die Behandlungswege entscheidend beeinflusst.
Wer den Termin für die Blutabnahme selbst wählen kann, sollte einen frühen Vormittagstermin nehmen, nüchtern erscheinen und in der Nacht davor ausreichend geschlafen haben.
Häufige Fragen
Gibt es Wechseljahre beim Mann?
Einen vergleichbaren Umbruch wie bei Frauen gibt es beim Mann nicht. Die Hoden bilden bis ins hohe Alter Testosteron, der Spiegel sinkt ab dem mittleren Lebensalter nur langsam, häufig werden etwa 1 Prozent pro Jahr genannt. Ein echter altersbedingter Mangel mit passenden Beschwerden betrifft in der europäischen Männerstudie EMAS rund 2 Prozent der Männer zwischen 40 und 79 Jahren.
Ab wann sinkt das Testosteron beim Mann?
Ab etwa dem 40. Lebensjahr sinkt das Gesamttestosteron langsam. Das freie, biologisch verfügbare Testosteron sinkt etwas schneller, weil gleichzeitig das Transporteiweiß SHBG ansteigt. Die Unterschiede zwischen einzelnen Männern sind groß, der Gesundheitszustand beeinflusst den Spiegel stärker als das Kalenderalter.
Welche Symptome deuten auf einen Testosteronmangel hin?
Am engsten hängen 3 sexuelle Zeichen mit einem niedrigen Wert zusammen: seltenere Morgenerektionen, nachlassendes sexuelles Verlangen und Erektionsprobleme. Bei einem ausgeprägten Mangel kommen weniger Muskelkraft, mehr Bauchfett, abnehmende Knochendichte und weniger Körperbehaarung hinzu. Erschöpfung und Stimmungstiefs hängen nur schwach mit dem Testosteron zusammen und haben häufiger andere Ursachen.
Was senkt den Testosteronspiegel stärker als das Alter?
Übergewicht, besonders am Bauch, Typ-2-Diabetes, Schlafmangel, eine unbehandelte Schlafapnoe, hoher Alkoholkonsum, bestimmte Medikamente wie Opioide oder Kortison sowie chronische Erkrankungen. Schon 1 Woche mit nur 5 Stunden Schlaf pro Nacht senkte in einer Untersuchung den Spiegel junger Männer messbar. Mehrere dieser Faktoren lassen sich beeinflussen.
Wie wird ein Testosteronmangel festgestellt?
Über passende Beschwerden und mindestens 2 Blutmessungen an verschiedenen Tagen. Gemessen wird das Gesamttestosteron morgens zwischen etwa 7 und 11 Uhr, möglichst nüchtern und außerhalb einer akuten Erkrankung. Bei Grenzwerten wird das freie Testosteron berechnet, bei bestätigtem Mangel werden die Steuerhormone LH und FSH bestimmt.
Welcher Testosteronwert ist zu niedrig?
Die Grenzwerte unterscheiden sich je nach Leitlinie und Labor. Häufig wird ein Gesamttestosteron um 12 nmol/l, etwa 3,5 ng/ml, als Schwelle genannt, unterhalb derer ein Mangel wahrscheinlicher wird. Ein niedriger Wert allein ist keine Diagnose, dazu gehören passende Beschwerden und eine bestätigende 2. Messung.
Können Erektionsprobleme ein Warnzeichen fürs Herz sein?
Ja. Erektionsprobleme gehen bei Männern ab 40 häufig von den Blutgefäßen aus, weil die Arterien im Penis kleiner sind als die Herzkranzgefäße und Gefäßschäden dort früher spürbar werden. In Untersuchungen gingen sie einer koronaren Herzkrankheit oft um Jahre voraus. Deshalb gehören bei neuen Erektionsproblemen Blutdruck, Blutfette und Blutzucker geprüft.
Wann ist eine Testosterontherapie sinnvoll?
Nur bei einem bestätigten Mangel mit passenden Beschwerden. Am deutlichsten verbessert sie Lust und sexuelle Aktivität, die Effekte auf Energie, Stimmung und Muskulatur sind in Studien geringer. Vor Beginn werden Prostata, Blutbild und Kinderwunsch geklärt, während der Therapie folgen regelmäßige Kontrollen.
Macht eine Testosterontherapie unfruchtbar?
Zugeführtes Testosteron bremst die eigene Spermienbildung, teils bis zum vollständigen Stillstand. Nach dem Absetzen erholt sie sich meist, das kann aber Monate dauern. Bei bestehendem Kinderwunsch kommt eine Testosterontherapie deshalb nicht infrage, hier gibt es andere Behandlungswege.
Helfen Testosteron-Booster aus dem Internet?
Belastbare Belege dafür, dass sie bei gesunden Männern den Testosteronspiegel relevant anheben, fehlen. Für die meisten enthaltenen Stoffe gibt es in der EU keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben. Zugelassen ist lediglich die Angabe, dass Zink zu einem normalen Testosteronspiegel im Blut beiträgt, ein Zinkmangel ist bei ausgewogener Ernährung allerdings selten.
Beeinflusst Maca den Testosteronspiegel?
Ein Einfluss auf den Testosteronspiegel ist nicht belegt. In Studien veränderte sich der Hormonspiegel unter Maca nicht. Für Maca existieren in der EU zudem keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben. Wer Beschwerden hat, die auf einen Mangel hindeuten, sollte das ärztlich abklären lassen.
Was kann ich selbst für meinen Testosteronspiegel tun?
Am besten belegt sind eine langsame Gewichtsabnahme bei erhöhtem Bauchumfang, 2 Einheiten Krafttraining pro Woche mit ergänzender Ausdauerbewegung, 7 bis 9 Stunden Schlaf, die Behandlung einer Schlafapnoe sowie weniger Alkohol. Diese Maßnahmen wirken gleichzeitig auf Herz, Gefäße und Stimmung und nützen unabhängig vom Testosteronwert.
Fazit
Wechseljahre im Sinne eines abrupten Hormonumbruchs gibt es beim Mann nicht. Der Testosteronspiegel sinkt ab dem mittleren Lebensalter langsam, und die meisten Männer bleiben dabei im normalen Bereich. Ein echter altersbedingter Mangel mit passenden Beschwerden betrifft nur einen kleinen Teil.
Wer die typischen Zeichen bemerkt, also seltenere Morgenerektionen, nachlassende Lust und Erektionsprobleme, sollte das abklären lassen, und zwar breiter als nur mit einem Hormonwert. Erektionsprobleme sind häufig ein frühes Signal der Gefäße, und Erschöpfung oder Stimmungstiefs haben in diesem Alter öfter andere Ursachen wie eine depressive Episode, eine Schlafapnoe oder eine Schilddrüsenstörung.
Der wirksamste Hebel liegt bei vielen Männern im Alltag: weniger Bauchfett, regelmäßiges Krafttraining, ausreichend Schlaf und weniger Alkohol. Diese Veränderungen heben den Testosteronspiegel messbar an und schützen gleichzeitig Herz und Gefäße. Eine Testosterontherapie bleibt dem bestätigten Mangel vorbehalten und gehört in ärztliche Begleitung.
Weiterlesen im rewake-Magazin
- Libido beim Mann: was dahintersteckt
- Wechseljahre: Phasen, Symptome und was im Körper passiert
- Hitzewallungen ohne Wechseljahre: Ursachen und Abklärung
- Besser schlafen: warum du wach liegst und was hilft
- Stress abbauen: was im Körper passiert und was hilft
- Maca-Wirkung: was die Studienlage hergibt
Quellen und weiterführende Information
- European Male Ageing Study: Identification of late-onset hypogonadism in middle-aged and elderly men, New England Journal of Medicine, 2010.
- European Association of Urology: Leitlinie zu sexueller und reproduktiver Gesundheit des Mannes, Abschnitt männlicher Hypogonadismus.
- Deutsche Gesellschaft für Urologie und Deutsche Gesellschaft für Andrologie: Informationen zu Diagnostik und Therapie des Testosteronmangels.
- Untersuchung zum Einfluss von Schlafrestriktion auf den Testosteronspiegel junger Männer, Journal of the American Medical Association, 2011.
- Studie zur kardiovaskulären Sicherheit der Testosterontherapie bei Männern mit Hypogonadismus, New England Journal of Medicine, 2023.
- Übersichtsarbeiten zu erektiler Dysfunktion als Frühzeichen kardiovaskulärer Erkrankungen.
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung zugelassener gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel.
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