Frau um die 50 dehnt morgens ihren verspannten Nacken und die Schultern, Symbolbild für Muskelschmerzen in den Wechseljahren

Muskelschmerzen in den Wechseljahren: Ursachen und was hilft

Übersicht

    Wechseljahre · Muskeln und Bewegung

    Muskelschmerzen in den Wechseljahren: Ursachen und was hilft

    ✍️ Soheil Daneshvar · Aktualisiert 2026 · ⏱️ 17 Min. Lesezeit

    Wichtig vorweg

    Dieser Artikel erklärt allgemeine Zusammenhänge und ersetzt keine ärztliche Beratung. Muskelschmerzen haben in der Lebensmitte viele mögliche Ursachen, von denen einige gezielt behandelt werden müssen. Plötzliche Muskelschwäche, dunkler Urin, Fieber oder neue Kopfschmerzen mit Sehstörungen gehören sofort ärztlich abgeklärt.

    Muskelschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden in den Wechseljahren: In einer großen Übersichtsarbeit gaben rund 70 Prozent der Frauen in der Perimenopause Schmerzen an Muskeln oder Gelenken an. Sinkendes Östrogen spielt dabei eine doppelte Rolle. Es wirkt normalerweise entzündungshemmend und schützt die Muskulatur, sein Rückgang macht Muskeln empfindlicher, verlangsamt die Regeneration und beschleunigt den Abbau von Muskelmasse. Schlechter Schlaf verstärkt das Schmerzempfinden zusätzlich. Abgeklärt gehören vor allem Vitamin-D-Mangel, Schilddrüsenunterfunktion, Nebenwirkungen von Medikamenten und ab 50 die Polymyalgia rheumatica. Am besten belegt gegen die Beschwerden ist regelmäßiges Krafttraining.

    Morgens fühlt sich der Nacken an wie Beton. Die Schultern ziehen, der untere Rücken meldet sich nach dem Sitzen, und ein Training, das früher nach 2 Tagen vergessen war, hängt jetzt eine ganze Woche nach. Viele Frauen um die 50 kennen dieses Bild und bringen es zunächst nicht mit den Wechseljahren in Verbindung.

    Das ist verständlich, denn Muskelschmerzen tauchen in den bekannten Symptomlisten meist weit hinten auf, hinter Hitzewallungen und Schlafproblemen. Dabei zählen sie zu den häufigsten Beschwerden dieser Lebensphase. Fachleute schlugen 2024 sogar einen eigenen Begriff dafür vor: das muskuloskelettale Menopausensyndrom.

    Dieser Artikel erklärt, wie hormonelle Veränderungen die Muskulatur beeinflussen, woran sich Muskelschmerzen von Gelenkschmerzen unterscheiden, welche anderen Ursachen abgeklärt gehören, welche Warnzeichen ernst zu nehmen sind und was nachweislich hilft.

    Die kurze Antwort

    Ja, die Wechseljahre können Muskelschmerzen verursachen oder verstärken. Der Rückgang des Östrogens fördert Entzündungsprozesse, verlangsamt die Regeneration und beschleunigt den Muskelabbau. Gleichzeitig verschlechtern Hitzewallungen und unruhige Nächte den Schlaf, was die Schmerzempfindlichkeit erhöht. Weil ähnliche Beschwerden auch andere Ursachen haben können, lohnt eine gezielte Abklärung.

    Muskelschmerzen in den Wechseljahren entstehen selten aus einem einzigen Grund. Meist wirken mehrere Faktoren zusammen: hormonelle Veränderungen, weniger Muskelmasse, schlechter Schlaf, mehr Stress und oft auch weniger Bewegung als früher. Genau darin liegt eine gute Nachricht, denn mehrere dieser Faktoren lassen sich beeinflussen.

    Häufigkeit

    Rund 70 Prozent

    So viele Frauen in der Perimenopause gaben in einer großen Übersichtsarbeit Muskel- oder Gelenkschmerzen an.

    Hormone

    Östrogen schützt

    Es wirkt entzündungshemmend und unterstützt Erhalt und Regeneration der Muskulatur.

    Verstärker

    Schlechter Schlaf

    Gestörter Schlaf senkt die Schmerzschwelle messbar, Schmerzen stören wiederum den Schlaf.

    Haupthebel

    Krafttraining

    Die am besten belegte Maßnahme gegen Muskelabbau und muskuläre Beschwerden in dieser Lebensphase.

    Wie sich Muskelschmerzen in den Wechseljahren anfühlen

    Typisch sind diffuse, ziehende oder dumpfe Schmerzen, oft in Nacken, Schultern, oberem und unterem Rücken sowie in Oberschenkeln und Hüftbereich. Viele Frauen beschreiben morgendliche Steifigkeit, schnellere Verspannungen und einen Muskelkater, der deutlich länger anhält als früher.

    Die Beschwerden sind häufig schwer zu greifen. Sie wandern, wechseln die Seite, sind an manchen Tagen kaum spürbar und an anderen ausgeprägt. Das macht sie für Betroffene verunsichernd und für Außenstehende schwer nachvollziehbar.

    Die häufigsten Muster

    Muster 1

    Nacken und Schultern

    Anhaltende Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich gehören zu den häufigsten Beschwerden. Sie werden oft durch langes Sitzen, Stress und schlechten Schlaf verstärkt und können Spannungskopfschmerzen auslösen.

    Muster 2

    Rücken und Hüfte

    Ziehende Schmerzen im unteren Rücken und im seitlichen Hüftbereich treten häufig nach längerem Sitzen oder Stehen auf. Die Muskulatur, die Becken und Wirbelsäule stabilisiert, reagiert besonders empfindlich auf Kraftverlust.

    Muster 3

    Morgendliche Steifigkeit

    Viele Frauen fühlen sich morgens steif und brauchen einige Minuten, bis die Bewegungen wieder geschmeidig sind. Hält diese Steifigkeit allerdings länger als 30 bis 45 Minuten an, besonders in Schultern und Hüften, gehört sie ärztlich abgeklärt.

    Muster 4

    Länger anhaltender Muskelkater

    Nach Belastung erholt sich die Muskulatur langsamer. Ein Muskelkater, der früher nach 1 bis 2 Tagen verschwunden war, hält jetzt oft deutlich länger an. Das kann dazu führen, dass Frauen Bewegung meiden, was die Beschwerden auf Dauer verstärkt.

    Muster 5

    Nächtliche Wadenkrämpfe

    Viele Frauen berichten in dieser Lebensphase von nächtlichen Krämpfen in Waden oder Füßen. Sie sind meist harmlos, können aber auch mit Flüssigkeitsmangel, Medikamenten oder einem gestörten Mineralstoffhaushalt zusammenhängen.

    Warum sich die Beschwerden so schwer einordnen lassen

    Muskelschmerzen in den Wechseljahren sind selten auf eine Stelle begrenzt und schwanken stark. Das unterscheidet sie von einer klassischen Zerrung oder Überlastung, die sich einem Ereignis zuordnen lässt. Hilfreich ist deshalb ein kurzes Protokoll über 2 Wochen, in dem Ort, Stärke, Tageszeit und mögliche Auslöser notiert werden. Es erleichtert die Einordnung beim Arzttermin erheblich.

    Muskel oder Gelenk?

    Muskelschmerzen sind eher flächig, ziehend und über größere Bereiche verteilt, oft mit druckempfindlichen Stellen. Gelenkschmerzen sitzen dagegen am Gelenk selbst, gehen häufig mit Schwellung oder eingeschränkter Beweglichkeit einher und werden bei Bewegung des Gelenks ausgelöst. In den Wechseljahren treten beide oft gemeinsam auf.

    Die Unterscheidung ist im Alltag nicht immer eindeutig, aber sie hilft bei der Einordnung und beim Gespräch in der Praxis. Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke reagieren alle auf den Rückgang des Östrogens, sodass sich die Beschwerden überlagern können.

    Merkmal Eher Muskel Eher Gelenk
    Ort Flächig, zwischen den Gelenken, oft Nacken, Schultern, Rücken, Oberschenkel Direkt am Gelenk, etwa Finger, Knie, Hüfte, Schulter
    Charakter Ziehend, dumpf, verspannt, druckempfindliche Stellen Stechend oder tief, oft mit Anlaufschmerz
    Schwellung Meist keine Häufig möglich
    Beweglichkeit Durch Verspannung eingeschränkt, lässt sich lösen Oft dauerhaft eingeschränkt
    Auslöser Sitzen, Stress, Belastung, schlechter Schlaf Bewegung des betroffenen Gelenks

    Wer vor allem Beschwerden an Fingern, Knien oder Hüftgelenken hat, findet eine ausführliche Einordnung einschließlich der Abgrenzung zu Arthrose und Rheuma im Beitrag Gelenkschmerzen in den Wechseljahren. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Muskulatur.

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    Warum die Wechseljahre die Muskulatur treffen

    Muskelschmerzen in den Wechseljahren entstehen meist durch das Zusammenspiel mehrerer Veränderungen: Östrogen fällt als Entzündungsbremse weg, Muskelmasse und Kraft nehmen schneller ab, die Regeneration nach Belastung verlangsamt sich, Sehnen und Bindegewebe werden weniger elastisch, und gestörter Schlaf sowie Stress senken die Schmerzschwelle.

    Lange wurde Östrogen vor allem als Fortpflanzungshormon betrachtet. Inzwischen ist gut belegt, dass es an vielen Stellen im Körper wirkt, auch in der Skelettmuskulatur. Muskelzellen tragen Andockstellen für Östrogen, sogenannte Östrogenrezeptoren. Sinkt der Spiegel, verändern sich Stoffwechsel, Reparaturfähigkeit und Entzündungsverhalten der Muskulatur.

    Die folgenden Abschnitte erklären die wichtigsten Mechanismen. Nicht jeder davon spielt bei jeder Frau die gleiche Rolle, und meist verstärken sie sich gegenseitig.

    Mechanismus Was passiert Spürbare Folge
    Weniger Entzündungsbremse Östrogen dämpft normalerweise Entzündungsbotenstoffe Muskeln reagieren empfindlicher, Schmerzen halten länger an
    Beschleunigter Muskelabbau Muskelmasse und Kraft sinken im Übergang schneller Schnellere Ermüdung, Überlastung der verbleibenden Muskulatur
    Langsamere Regeneration Reparatur kleiner Muskelschäden dauert länger Länger anhaltender Muskelkater nach Belastung
    Veränderte Sehnen und Faszien Bindegewebe wird weniger elastisch Steifigkeit, Schmerzen an Sehnenansätzen, etwa seitlich an der Hüfte
    Gestörter Schlaf Nächtliche Hitzewallungen unterbrechen die Erholung Niedrigere Schmerzschwelle am Folgetag
    Stress und Anspannung Dauerhaft erhöhte Muskelspannung Verspannungen in Nacken, Schultern und Kiefer

    Östrogen und Entzündung

    Östrogen wirkt im Körper entzündungshemmend. Es dämpft die Bildung bestimmter Entzündungsbotenstoffe und schützt die Muskulatur vor Schäden durch Belastung. Sinkt der Spiegel, verschiebt sich das Gleichgewicht hin zu einer leicht erhöhten Entzündungsbereitschaft, die Muskeln empfindlicher machen kann.

    Nach der Menopause finden sich bei vielen Frauen leicht erhöhte Werte bestimmter Entzündungsbotenstoffe im Blut. Diese stille, niedriggradige Entzündung verursacht keine Rötung oder Schwellung wie eine akute Entzündung. Sie kann aber die Empfindlichkeit von Muskeln und Gewebe erhöhen und die Erholung nach Belastung verzögern.

    Östrogen und Schmerzverarbeitung

    Östrogen beeinflusst auch, wie das Nervensystem Schmerzsignale verarbeitet. Es wirkt an Stellen im Rückenmark und im Gehirn, die an der Schmerzweiterleitung und Schmerzhemmung beteiligt sind. Die Zusammenhänge sind komplex und noch nicht vollständig verstanden. Klar ist aber, dass starke Hormonschwankungen, wie sie für die Perimenopause typisch sind, das Schmerzempfinden verändern können.

    Das erklärt, warum manche Frauen berichten, dass ihre Beschwerden mit dem Zyklus schwanken oder in Phasen mit besonders starken Hitzewallungen zunehmen. Wie sich der Hormonverlauf in den einzelnen Phasen verändert, beschreibt der Beitrag zu den Phasen der Wechseljahre.

    Ein neuer Begriff für ein altes Problem

    2024 schlugen Fachleute in einer Fachzeitschrift für Menopausenmedizin vor, Muskel- und Gelenkschmerzen, Muskelabbau, Knochenschwund und Sehnenbeschwerden in den Wechseljahren unter dem Begriff muskuloskelettales Menopausensyndrom zusammenzufassen. Ziel ist, dass diese Beschwerden in der Praxis häufiger mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht und gezielter behandelt werden. Als offizielle Diagnose ist der Begriff bisher nicht etabliert.

    Muskelabbau und langsamere Regeneration

    Muskelmasse nimmt ab dem mittleren Lebensalter langsam ab. Im Übergang der Wechseljahre beschleunigt sich dieser Prozess: In der US-amerikanischen Langzeitstudie SWAN sank die fettfreie Masse während des Übergangs messbar, während die Fettmasse zunahm. Weniger Muskulatur muss dieselbe Arbeit leisten, ermüdet schneller und reagiert empfindlicher.

    Der altersbedingte Verlust von Muskelmasse und Kraft wird fachlich als Sarkopenie bezeichnet, wenn er ein bestimmtes Ausmaß erreicht. Er beginnt schleichend bereits ab dem 30. bis 40. Lebensjahr. Bei Frauen verstärkt sich der Rückgang im Übergang der Wechseljahre, weil Östrogen den Muskelaufbau und die Muskelreparatur unterstützt.

    Was das für den Alltag bedeutet

    Wenn die Muskulatur schwächer wird, verteilt sich die Last im Alltag anders. Die verbleibenden Muskelfasern arbeiten näher an ihrer Belastungsgrenze, Haltemuskeln in Rücken und Nacken ermüden schneller, und Sehnen und Gelenke müssen mehr abfedern. Das begünstigt Verspannungen und Schmerzen, auch ohne besondere Anstrengung.

    Gleichzeitig nimmt bei vielen Frauen der Fettanteil zu, besonders am Bauch. Das verändert Haltung und Belastung zusätzlich. Warum Muskelmasse der wichtigste Hebel gegen die Gewichtszunahme in dieser Phase ist, beschreibt der Beitrag Gewichtszunahme in den Wechseljahren.

    Warum sich Muskeln langsamer erholen

    Jede Belastung verursacht kleinste Schäden an den Muskelfasern, die der Körper anschließend repariert und dabei die Muskulatur stärkt. An diesem Reparaturprozess sind spezielle Stammzellen im Muskel beteiligt, deren Aktivität unter anderem von Östrogen beeinflusst wird.

    Sinkt der Östrogenspiegel, verläuft die Reparatur langsamer. Das zeigt sich im Alltag als Muskelkater, der länger anhält, und als Gefühl, nach Belastung länger zu brauchen, bis die volle Leistungsfähigkeit zurück ist. Das ist kein Grund, Bewegung zu meiden, wohl aber ein Grund, Belastung und Erholung sinnvoll zu planen.

    Sehnen, Faszien und Bindegewebe

    Auch Sehnen, Bänder und die bindegewebigen Hüllen der Muskeln, die Faszien, reagieren auf den Hormonwechsel. Östrogen ist am Kollagenstoffwechsel beteiligt, der für Festigkeit und Elastizität dieses Gewebes sorgt. Mit sinkendem Spiegel wird das Gewebe steifer und weniger belastbar.

    Ein typisches Beispiel ist der Schmerz an der Außenseite der Hüfte, ausgelöst durch eine Reizung der Sehnen der Gesäßmuskulatur. Diese Beschwerden treten bei Frauen zwischen 40 und 60 Jahren besonders häufig auf und werden oft als Hüftgelenksproblem fehlgedeutet. Typisch sind Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite, beim Treppensteigen und nach längerem Sitzen.

    Muskelmasse

    Sinkt schneller

    Im Übergang der Wechseljahre nimmt die fettfreie Masse messbar ab, die Fettmasse zu.

    Regeneration

    Dauert länger

    Die Reparatur nach Belastung verläuft langsamer, Muskelkater hält länger an.

    Bindegewebe

    Wird steifer

    Sehnen und Faszien verlieren an Elastizität und reagieren empfindlicher auf Belastung.

    Gute Nachricht

    Trainierbar

    Muskeln reagieren in jedem Alter auf Training, auch nach der Menopause.

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    Schlaf, Stress und Schmerzempfinden

    Schlechter Schlaf und Muskelschmerzen verstärken sich gegenseitig. Schon eine Nacht mit zu wenig Schlaf senkt in Studien die Schmerzschwelle am Folgetag messbar. Schmerzen stören wiederum den Schlaf. Dazu kommt Stress, der die Grundspannung der Muskulatur erhöht, besonders in Nacken, Schultern und Kiefer.

    In den Wechseljahren kommen diese Faktoren oft gleichzeitig zusammen. Nächtliche Hitzewallungen und Schweißausbrüche unterbrechen den Schlaf, die Tiefschlafphasen werden kürzer, und viele Frauen stehen in dieser Lebensphase zusätzlich unter beruflichem oder familiärem Druck.

    Der Teufelskreis aus Schlaf und Schmerz

    Im Tiefschlaf finden wichtige Reparatur- und Erholungsprozesse statt, auch in der Muskulatur. Wird dieser Schlaf immer wieder unterbrochen, fehlt die Erholung. Gleichzeitig reagiert das Nervensystem nach schlechten Nächten empfindlicher auf Schmerzreize.

    Schmerzen machen es wiederum schwerer, eine bequeme Liegeposition zu finden und durchzuschlafen. Aus diesem Kreislauf auszusteigen, gelingt oft am besten über den Schlaf. Ursachen und Ansätze beschreibt der Beitrag Schlafstörungen in den Wechseljahren.

    Stress und Muskelspannung

    Unter Stress spannt der Körper die Muskulatur unwillkürlich an, besonders im Schulter-Nacken-Bereich und im Kiefer. Hält dieser Zustand über Wochen an, entstehen schmerzhafte Verspannungen. Viele Frauen merken erst, wie angespannt sie sind, wenn sie bewusst darauf achten.

    Auch Niedergeschlagenheit und Ängstlichkeit, die in der Perimenopause häufiger auftreten, verstärken das Schmerzempfinden. Das bedeutet nicht, dass die Schmerzen eingebildet sind. Es bedeutet, dass Entspannung, Stressabbau und die Behandlung seelischer Belastungen wirksame Hebel gegen körperliche Schmerzen sein können. Ansätze dazu beschreibt der Beitrag Stress abbauen.

    Weniger Bewegung, mehr Sitzen

    Wer Schmerzen hat, bewegt sich oft weniger. Das ist verständlich, führt aber zu weiterem Muskelabbau und zu mehr Steifigkeit. Dazu kommt, dass viele Frauen in dieser Lebensphase beruflich viel sitzen. Langes Sitzen belastet die Muskulatur von Rücken, Hüfte und Nacken einseitig und fördert Verspannungen.

    Zusammengefasst

    Mehrere Ursachen, mehrere Ansatzpunkte

    Hormonelle Veränderungen setzen den Rahmen, doch Muskelmasse, Schlaf, Stress und Bewegung entscheiden mit darüber, wie stark die Beschwerden ausfallen. Genau an diesen Stellen lässt sich ansetzen, und zwar unabhängig davon, ob eine Hormontherapie infrage kommt oder nicht.

    Andere Ursachen, die abgeklärt gehören

    Muskelschmerzen in der Lebensmitte sind nicht automatisch hormonell bedingt. Häufige andere Ursachen sind ein Vitamin-D-Mangel, eine Schilddrüsenunterfunktion, Nebenwirkungen von Medikamenten wie Statinen, ein Eisenmangel sowie ab 50 die Polymyalgia rheumatica. Auch eine Fibromyalgie beginnt häufig in diesem Alter. Die meisten dieser Ursachen lassen sich mit einer Blutuntersuchung und einem gezielten Gespräch eingrenzen.

    Weil die Wechseljahre in dieselbe Lebensphase fallen, in der auch andere Erkrankungen häufiger werden, ist die Versuchung groß, alle Beschwerden den Hormonen zuzuschreiben. Das kann dazu führen, dass gut behandelbare Ursachen übersehen werden. Die folgenden Abschnitte zeigen, woran sie sich erkennen lassen.

    Mögliche Ursache Typische Hinweise Erster Schritt
    Vitamin-D-Mangel Diffuse Muskel- und Knochenschmerzen, Schwäche beim Aufstehen und Treppensteigen 25-OH-Vitamin D im Blut
    Schilddrüsenunterfunktion Muskelschmerzen, Krämpfe, Steifigkeit, Frieren, Müdigkeit, Gewichtszunahme TSH im Blut
    Medikamente Zeitlicher Zusammenhang mit neuem Präparat, etwa Statinen Hausarzt, Apotheke
    Eisenmangel Erschöpfung, geringere Belastbarkeit, oft nach starken Blutungen Ferritin und Blutbild
    Polymyalgia rheumatica Ab 50, beidseitige Schmerzen und Steifigkeit in Schultern und Hüften, morgens am stärksten Entzündungswerte im Blut
    Fibromyalgie Ausgedehnte Schmerzen über mehr als 3 Monate, Erschöpfung, Schlafprobleme Hausarzt, Rheumatologie
    Entzündliche Gelenk- oder Muskelerkrankungen Schwellungen, Muskelschwäche, deutlich erhöhte Werte im Blut Rheumatologie

    Vitamin-D-Mangel

    Vitamin D ist wichtig für Knochen und Muskulatur. Ein ausgeprägter Mangel kann diffuse Muskelschmerzen, Knochenschmerzen und eine Schwäche der rumpfnahen Muskulatur verursachen, die sich etwa beim Aufstehen aus dem Sitzen oder beim Treppensteigen bemerkbar macht.

    In Deutschland ist die Versorgung besonders im Winterhalbjahr oft knapp, weil die Sonne in unseren Breiten dann nicht ausreicht, damit die Haut genug Vitamin D bildet. Nach Daten des Robert Koch-Instituts erreicht rund die Hälfte der Erwachsenen nicht die empfohlenen Blutwerte. Ob ein Mangel vorliegt, zeigt eine Blutuntersuchung auf 25-OH-Vitamin D. Eine Einnahme in höherer Dosis sollte auf Basis dieses Wertes ärztlich abgestimmt werden, weil auch eine Überdosierung schaden kann.

    Schilddrüsenunterfunktion

    Eine Unterfunktion der Schilddrüse ist bei Frauen in der Lebensmitte häufig, oft auf Grundlage einer Hashimoto-Thyreoiditis, einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Zu den typischen Beschwerden gehören Muskelschmerzen, Muskelkrämpfe und Steifigkeit, dazu Müdigkeit, Frieren, Gewichtszunahme, trockene Haut und Verstopfung.

    Weil sich diese Beschwerden stark mit denen der Wechseljahre überschneiden, gehört die Bestimmung des TSH-Werts zu jeder Abklärung. Eine Unterfunktion lässt sich mit Schilddrüsenhormon gut behandeln, und die Muskelbeschwerden bessern sich dann häufig deutlich.

    Nebenwirkungen von Medikamenten

    Einige häufig verordnete Medikamente können Muskelschmerzen auslösen. Am bekanntesten sind Statine, die zur Senkung des Cholesterins eingesetzt werden und gerade in der Lebensmitte häufig neu verordnet werden. Ein Teil der Anwenderinnen berichtet über Muskelschmerzen oder Muskelschwäche.

    Auch antihormonelle Therapien nach Brustkrebs, insbesondere sogenannte Aromatasehemmer, verursachen häufig Muskel- und Gelenkschmerzen. Bestimmte Antibiotika können Sehnen schädigen, und entwässernde Medikamente können über Verschiebungen im Mineralstoffhaushalt Krämpfe begünstigen. Medikamente sollten niemals eigenmächtig abgesetzt werden. Ein zeitlicher Zusammenhang zwischen einem neuen Präparat und den Beschwerden gehört in die Praxis oder Apotheke.

    Eisenmangel

    In der Perimenopause sind starke und lange Blutungen häufig. Sie können über Monate einen Eisenmangel verursachen, der sich als Erschöpfung, geringere Belastbarkeit, schnellere Ermüdung der Muskulatur und manchmal als unruhige Beine am Abend zeigt. Ein Ferritinwert gibt Auskunft über die Eisenspeicher. Mehr dazu, auch im Zusammenhang mit Haarausfall, im Beitrag Haarausfall in den Wechseljahren.

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    Polymyalgia rheumatica

    Die Polymyalgia rheumatica ist eine entzündliche Erkrankung, die fast ausschließlich Menschen über 50 betrifft, Frauen häufiger als Männer. Sie beginnt oft innerhalb weniger Tage oder Wochen mit beidseitigen Schmerzen und ausgeprägter Steifigkeit in Schultern, Oberarmen, Nacken und Hüften.

    Typisch ist eine Morgensteifigkeit, die deutlich länger als 45 Minuten anhält. Manche Betroffene können morgens kaum die Arme heben, sich nicht allein anziehen oder nur mühsam aus dem Bett aufstehen. Dazu kommen oft Abgeschlagenheit, leichtes Fieber und Gewichtsverlust. Im Blut sind die Entzündungswerte meist deutlich erhöht.

    Die Erkrankung spricht in der Regel sehr gut auf Kortison an. Wichtig ist sie vor allem wegen einer möglichen Begleiterkrankung, der Riesenzellarteriitis, einer Entzündung der Blutgefäße, die unbehandelt zu dauerhaftem Sehverlust führen kann. Die Warnzeichen dafür stehen im Kasten weiter unten.

    Fibromyalgie

    Die Fibromyalgie ist ein Krankheitsbild mit ausgedehnten Schmerzen in mehreren Körperregionen, die über mindestens 3 Monate bestehen. Dazu kommen typischerweise Erschöpfung, nicht erholsamer Schlaf und Konzentrationsprobleme. Frauen sind deutlich häufiger betroffen, und die Beschwerden beginnen oft in der Lebensmitte.

    Die Diagnose wird anhand der Beschwerden gestellt, nachdem andere Ursachen ausgeschlossen wurden. Blutwerte und Bildgebung sind dabei unauffällig. Weil sich Fibromyalgie und Wechseljahresbeschwerden stark überschneiden können, lohnt bei anhaltenden, ausgedehnten Schmerzen eine gezielte Abklärung. Die wirksamsten Ansätze sind angepasste Bewegung, Schlafverbesserung und psychotherapeutische Begleitung.

    Entzündliche Gelenk- und Muskelerkrankungen

    Seltener stecken entzündliche Erkrankungen hinter den Beschwerden, etwa eine rheumatoide Arthritis mit geschwollenen, überwärmten Gelenken oder eine entzündliche Muskelerkrankung. Hinweis auf Letztere ist eine zunehmende Muskelschwäche, besonders an Oberarmen und Oberschenkeln, die über reine Schmerzen hinausgeht. Im Blut findet sich dann oft ein deutlich erhöhter Wert des Muskelenzyms CK. Beide Erkrankungen gehören in rheumatologische Behandlung.

    Mineralstoffe und nächtliche Krämpfe

    Nächtliche Wadenkrämpfe sind häufig und meist harmlos. Sie können aber mit Flüssigkeitsmangel, entwässernden Medikamenten, Veränderungen im Mineralstoffhaushalt, Schilddrüsenstörungen oder Nierenerkrankungen zusammenhängen. Treten sie gehäuft auf, lohnt eine Bestimmung von Kalium, Kalzium, Magnesium und Nierenwerten im Blut.

    Warnzeichen, die sofort abgeklärt gehören

    Die allermeisten Muskelschmerzen in den Wechseljahren sind unangenehm, aber nicht gefährlich. Einige Zeichen deuten allerdings auf ernste Ursachen hin und gehören sofort oder zeitnah ärztlich abgeklärt, darunter plötzliche Muskelschwäche, dunkler Urin, neue Kopfschmerzen mit Sehstörungen und einseitige Schwellungen am Bein.

    Sofort den Notruf 112 wählen bei

    • Schmerzen oder Druckgefühl in Brust, Oberbauch, Rücken oder Kiefer, besonders mit Atemnot, Übelkeit, Schweißausbruch oder Ausstrahlung in den Arm. Bei Frauen verläuft ein Herzinfarkt häufiger mit solchen untypischen Beschwerden.
    • Plötzlicher Atemnot, besonders nach einer einseitigen Schwellung am Bein.
    • Plötzlich einsetzenden Sehstörungen, etwa Doppelbildern oder einem Verlust der Sehkraft auf einem Auge.

    Noch am selben Tag ärztlich abklären lassen

    • Neue Kopfschmerzen an den Schläfen, Schmerzen beim Kauen oder Druckempfindlichkeit der Kopfhaut, besonders ab 50 und gemeinsam mit Schulter- oder Hüftsteifigkeit. Das kann auf eine Riesenzellarteriitis hinweisen, die schnell behandelt werden muss, um das Sehvermögen zu schützen.
    • Dunkler, cola-farbener Urin zusammen mit starken Muskelschmerzen oder Muskelschwäche, etwa nach ungewohnter Belastung oder unter Statinen. Das kann auf einen Zerfall von Muskelgewebe hinweisen.
    • Einseitig geschwollene, gerötete oder überwärmte Wade, als möglicher Hinweis auf eine Thrombose.
    • Plötzliche, deutliche Muskelschwäche, etwa wenn Treppensteigen, Aufstehen oder das Heben der Arme nicht mehr gelingt.

    Zeitnah innerhalb weniger Tage abklären lassen

    • Morgensteifigkeit, die länger als 45 Minuten anhält, besonders beidseitig in Schultern und Hüften.
    • Fieber, Nachtschweiß oder ungewollter Gewichtsverlust zusammen mit Muskelschmerzen.
    • Geschwollene, überwärmte Gelenke.
    • Muskelschmerzen, die nach Beginn eines neuen Medikaments aufgetreten sind.
    • Schmerzen, die trotz Bewegung, Wärme und Schonung über mehrere Wochen zunehmen.

    Erste Anlaufstelle ist die hausärztliche Praxis. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117.

    Was gegen Muskelschmerzen in den Wechseljahren hilft

    Am besten belegt ist regelmäßiges Krafttraining, ergänzt durch Bewegung im Alltag, ausreichend Eiweiß und besseren Schlaf. Wärme, Dehnen und Physiotherapie lindern akute Verspannungen. Eine Hormontherapie kann Muskel- und Gelenkbeschwerden bei manchen Frauen verringern, kommt aber vor allem bei gleichzeitigen anderen Wechseljahresbeschwerden infrage.

    Die gute Nachricht an diesem Thema: Die wirksamsten Maßnahmen sind die gleichen, die auch gegen Muskelabbau, Knochenschwund, Gewichtszunahme und Schlafprobleme helfen. Wer hier ansetzt, verbessert mehrere Beschwerden der Wechseljahre gleichzeitig.

    Krafttraining als Haupthebel

    Krafttraining wirkt direkt gegen die wichtigste körperliche Veränderung der Wechseljahre, den beschleunigten Muskelabbau. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen muskelkräftigende Übungen an mindestens 2 Tagen pro Woche für alle großen Muskelgruppen, ergänzt durch 150 bis 300 Minuten Ausdauerbewegung mit mittlerer Intensität.

    Muskeln reagieren in jedem Alter auf Training, auch nach der Menopause. Studien mit Frauen in der Postmenopause zeigen, dass gezieltes Krafttraining Muskelmasse und Kraft steigert und die Knochendichte stützt. Bei vielen chronischen Muskel- und Rückenschmerzen gehört angepasstes Training zu den wirksamsten Behandlungen überhaupt.

    Warum gerade Krafttraining

    Krafttraining setzt einen gezielten Reiz, der den Muskel zu Aufbau und Anpassung zwingt. Dadurch wird die Muskulatur belastbarer, Haltemuskeln in Rücken und Nacken ermüden weniger schnell, und Sehnen und Gelenke werden entlastet. Gleichzeitig verbessert sich die Insulinwirkung, und die Fettverteilung am Bauch verschiebt sich günstiger.

    Ausdauersport wie Walken, Radfahren oder Schwimmen ist wichtig für Herz und Kreislauf, reicht aber allein nicht aus, um den Muskelabbau aufzuhalten. Die Kombination aus beidem ist ideal.

    So gelingt der Einstieg

    Schritt 1

    Klein anfangen

    2 Einheiten pro Woche von jeweils 20 bis 30 Minuten reichen für den Anfang. Wichtiger als die Dauer ist die Regelmäßigkeit. Geeignet sind Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, mit Hanteln, Widerstandsbändern oder an Geräten im Studio.

    Schritt 2

    Große Muskelgruppen zuerst

    Übungen wie Kniebeugen, Ausfallschritte, Rudern, Liegestütze an der Wand oder Hüftheben trainieren mehrere große Muskelgruppen gleichzeitig. Sie bringen im Alltag den größten Nutzen, etwa beim Treppensteigen, Heben und Aufstehen.

    Schritt 3

    Langsam steigern

    Der Muskel wächst nur, wenn der Reiz über die Zeit zunimmt. Wenn eine Übung mit 12 bis 15 Wiederholungen leichtfällt, darf das Gewicht oder der Widerstand steigen. Die letzten Wiederholungen eines Satzes sollten spürbar anstrengend sein, ohne die saubere Ausführung zu gefährden.

    Schritt 4

    Erholung einplanen

    Weil sich die Muskulatur in den Wechseljahren langsamer erholt, ist mindestens 1 Ruhetag zwischen zwei Einheiten für dieselbe Muskelgruppe sinnvoll. Leichter Muskelkater ist normal. Starke Schmerzen, die über Tage anhalten, sind ein Zeichen, die Belastung etwas zu verringern.

    Schmerzen und Training

    Viele Frauen scheuen Training, weil sie befürchten, die Schmerzen zu verschlimmern. Bei den typischen muskulären Beschwerden der Wechseljahre ist das Gegenteil der Fall: Angepasstes Training verringert die Beschwerden auf Dauer meist deutlich. Wer unsicher ist, startet am besten mit physiotherapeutischer Anleitung oder einem Trainer, der Erfahrung mit Einsteigerinnen in dieser Lebensphase hat. Bei Vorerkrankungen von Herz, Kreislauf oder Gelenken gehört der Einstieg vorab ärztlich besprochen.

    Bewegung im Alltag

    Neben dem gezielten Training zählt die Bewegung über den Tag. Wer beruflich viel sitzt, profitiert von kurzen Pausen alle 30 bis 60 Minuten: aufstehen, ein paar Schritte gehen, Schultern kreisen, Nacken sanft dehnen. Diese kleinen Unterbrechungen verhindern, dass sich die Haltemuskulatur über Stunden verspannt.

    Auch Yoga, Pilates und ähnliche Formen, die Kraft, Beweglichkeit und Körperwahrnehmung verbinden, können bei Rücken- und Nackenbeschwerden helfen und wirken gleichzeitig entspannend.

    Eiweiß als Baustoff

    Muskeln brauchen für den Aufbau Eiweiß. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen unter 65 Jahren 0,8 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, ab 65 Jahren 1,0 g. Internationale Fachgesellschaften empfehlen älteren Erwachsenen, besonders in Kombination mit Krafttraining, eher 1,0 bis 1,2 g.

    Günstig ist es, das Eiweiß über die Mahlzeiten zu verteilen, statt es auf eine Mahlzeit zu konzentrieren. Gute Quellen sind Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Eier, Fisch, Fleisch, Tofu und Nüsse. Wer Nierenerkrankungen hat, sollte die Eiweißzufuhr ärztlich abstimmen.

    Schlaf verbessern

    Weil schlechter Schlaf die Schmerzschwelle senkt, gehört die Schlafqualität zu den wirksamsten Hebeln gegen Muskelschmerzen. Feste Schlafzeiten, ein kühles Schlafzimmer, atmungsaktive Bettwäsche und weniger Alkohol am Abend helfen gerade bei nächtlichen Hitzewallungen. Bei anhaltenden Schlafstörungen ist die kognitive Verhaltenstherapie für Schlafstörungen die am besten belegte Behandlung. Konkrete Ansätze stehen im Ratgeber Besser schlafen.

    Wärme, Dehnen und Physiotherapie

    Bei akuten Verspannungen helfen Wärme, etwa durch eine Wärmflasche, ein warmes Bad oder Wärmepflaster, sowie sanftes Dehnen. Massagen und Faszienrollen können kurzfristig Erleichterung bringen. Bei hartnäckigen Beschwerden oder Schmerzen an Sehnenansätzen, etwa seitlich an der Hüfte, ist Physiotherapie mit gezielten Kräftigungsübungen besonders wirksam.

    Schmerzmittel

    Rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen können bei akuten Beschwerden kurzfristig helfen. Für die dauerhafte Einnahme sind sie wegen möglicher Nebenwirkungen an Magen, Nieren und Herz-Kreislauf-System nicht geeignet. Schmerzgele zum Auftragen auf die Haut sind eine gut verträgliche Alternative für begrenzte Bereiche. Wer regelmäßig Schmerzmittel braucht, sollte die Ursache ärztlich abklären lassen.

    Was eine Hormontherapie beitragen kann

    Eine Hormontherapie kann Muskel- und Gelenkbeschwerden in den Wechseljahren bei manchen Frauen verringern. In der großen US-amerikanischen Studie Women's Health Initiative berichteten Frauen unter Östrogentherapie seltener über Gelenkschmerzen. Allein wegen Muskelschmerzen wird eine Hormontherapie in der Regel nicht begonnen, sie kann aber ein zusätzlicher Nutzen sein, wenn gleichzeitig andere Beschwerden bestehen.

    Die Entscheidung für oder gegen eine Hormontherapie hängt von der Gesamtsituation ab: Stärke der Beschwerden, Alter, Zeitpunkt der letzten Blutung, Vorerkrankungen und persönliche Wünsche. Die aktuellen Leitlinien sehen eine individuelle Abwägung von Nutzen und Risiken vor, die regelmäßig überprüft wird.

    Wer unter Hitzewallungen, Schlafstörungen und gleichzeitig unter Muskel- und Gelenkbeschwerden leidet, sollte diese Beschwerden im Gespräch mit der gynäkologischen Praxis gemeinsam ansprechen. Welche Rolle das Progesteron dabei spielt, erklärt der Beitrag Progesteron in den Wechseljahren.

    Was Nahrungsergänzungsmittel leisten

    Für Muskelschmerzen werden zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel beworben. Zugelassene gesundheitsbezogene Angaben in Bezug auf die Muskulatur gibt es in der EU nur für wenige Stoffe. Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei, Vitamin D trägt zur Erhaltung einer normalen Muskelfunktion bei.

    Diese Angaben beziehen sich auf die normale Versorgung. Ein zusätzlicher Nutzen ist vor allem dann zu erwarten, wenn tatsächlich ein Mangel besteht, was sich bei Vitamin D über eine Blutuntersuchung klären lässt. Aussagen zur Linderung von Muskelschmerzen sind für Nahrungsergänzungsmittel nicht zulässig. Wer Medikamente einnimmt oder Nierenerkrankungen hat, sollte die Einnahme vorab ärztlich besprechen.

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    Wann zum Arzt

    Ein Termin ist sinnvoll, wenn Muskelschmerzen über mehrere Wochen anhalten, den Alltag spürbar einschränken oder trotz Bewegung und Wärme zunehmen. Sofort oder zeitnah gehören die Warnzeichen aus dem Abschnitt oben abgeklärt, besonders Muskelschwäche, dunkler Urin, lange Morgensteifigkeit und neue Kopfschmerzen ab 50.

    Viele Frauen warten lange, weil sie die Beschwerden für eine normale Begleiterscheinung des Älterwerdens halten. Dabei lassen sich mehrere häufige Ursachen mit einer einfachen Blutuntersuchung klären und gut behandeln. Erste Anlaufstelle ist die hausärztliche Praxis, bei gleichzeitigen Wechseljahresbeschwerden auch die gynäkologische.

    Was in der Praxis geprüft wird

    Untersuchung Warum sie sinnvoll ist
    TSH Schilddrüsenunterfunktion als häufige Ursache
    25-OH-Vitamin D Vitamin-D-Mangel
    Blutbild und Ferritin Blutarmut und Eisenmangel
    Entzündungswerte Hinweise auf Polymyalgia rheumatica oder andere entzündliche Erkrankungen
    CK Muskelenzym, erhöht bei Muskelschäden, etwa unter Statinen oder bei entzündlichen Muskelerkrankungen
    Kalium, Kalzium, Magnesium, Nierenwerte Bei gehäuften Krämpfen oder entwässernden Medikamenten

    Welche Werte im Einzelfall bestimmt werden, entscheidet die Praxis anhand des Gesprächs und der Untersuchung. Die Tabelle hilft, das Anliegen konkret anzusprechen.

    So bereitest du den Termin vor

    Ein vorbereitetes Gespräch führt schneller zur Ursache. Sinnvoll sind 4 Punkte.

    1. Ein kurzes Schmerzprotokoll über 2 Wochen mit Ort, Stärke auf einer Skala von 1 bis 10, Tageszeit und möglichen Auslösern, dazu die Dauer der Morgensteifigkeit. 2. Eine vollständige Liste aller Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel mit dem Zeitpunkt, seit wann sie eingenommen werden. 3. Angaben zu Begleitbeschwerden wie Müdigkeit, Frieren, Gewichtsveränderungen, Fieber, Kopfschmerzen oder Sehstörungen. 4. Der Zyklusverlauf der letzten Monate und weitere Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen oder Schlafprobleme.


    Häufige Fragen

    Können die Wechseljahre Muskelschmerzen verursachen?

    Ja. Sinkendes Östrogen fällt als Entzündungsbremse weg, verlangsamt die Regeneration der Muskulatur und beschleunigt den Muskelabbau. Dazu kommen gestörter Schlaf und Stress, die die Schmerzschwelle senken. In einer großen Übersichtsarbeit gaben rund 70 Prozent der Frauen in der Perimenopause Muskel- oder Gelenkschmerzen an.

    Wo treten Muskelschmerzen in den Wechseljahren typischerweise auf?

    Am häufigsten in Nacken, Schultern, oberem und unterem Rücken sowie an Oberschenkeln und seitlich an der Hüfte. Die Schmerzen sind oft diffus, ziehend und wandern. Viele Frauen beschreiben zudem morgendliche Steifigkeit und einen Muskelkater, der länger anhält als früher.

    Wie unterscheiden sich Muskelschmerzen von Gelenkschmerzen?

    Muskelschmerzen sind eher flächig und ziehend, oft mit druckempfindlichen Stellen zwischen den Gelenken. Gelenkschmerzen sitzen direkt am Gelenk, gehen häufiger mit Schwellung einher und werden durch Bewegung des Gelenks ausgelöst. In den Wechseljahren treten beide oft gemeinsam auf.

    Welche anderen Ursachen sollten abgeklärt werden?

    Vor allem ein Vitamin-D-Mangel, eine Schilddrüsenunterfunktion, ein Eisenmangel und Nebenwirkungen von Medikamenten wie Statinen. Ab 50 gehört bei beidseitigen Schmerzen und langer Morgensteifigkeit in Schultern und Hüften die Polymyalgia rheumatica dazu. Bei ausgedehnten Schmerzen über mehr als 3 Monate kommt auch eine Fibromyalgie infrage.

    Welche Blutwerte sind sinnvoll?

    Häufig bestimmt werden TSH für die Schilddrüse, 25-OH-Vitamin D, Blutbild und Ferritin, Entzündungswerte sowie das Muskelenzym CK. Bei gehäuften Krämpfen kommen Kalium, Kalzium, Magnesium und Nierenwerte hinzu. Welche Werte im Einzelfall sinnvoll sind, entscheidet die Praxis anhand von Gespräch und Untersuchung.

    Was hilft am besten gegen Muskelschmerzen in den Wechseljahren?

    Am besten belegt ist regelmäßiges Krafttraining, das dem beschleunigten Muskelabbau direkt entgegenwirkt. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt muskelkräftigende Übungen an mindestens 2 Tagen pro Woche, ergänzt durch 150 bis 300 Minuten Ausdauerbewegung. Dazu kommen ausreichend Eiweiß, besserer Schlaf, Bewegungspausen im Alltag sowie Wärme und Dehnen bei akuten Verspannungen.

    Verschlimmert Sport die Schmerzen?

    Bei den typischen muskulären Beschwerden der Wechseljahre verringert angepasstes Training die Schmerzen auf Dauer meist deutlich. Wichtig ist ein langsamer Einstieg und ausreichend Erholung, weil sich die Muskulatur in dieser Phase langsamer regeneriert. Bei Vorerkrankungen von Herz, Kreislauf oder Gelenken gehört der Einstieg vorab ärztlich besprochen.

    Wie viel Eiweiß ist sinnvoll?

    Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen unter 65 Jahren 0,8 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, ab 65 Jahren 1,0 g. Internationale Fachgesellschaften empfehlen älteren Erwachsenen, besonders mit Krafttraining, eher 1,0 bis 1,2 g. Bei Nierenerkrankungen gehört die Eiweißzufuhr ärztlich abgestimmt.

    Hilft eine Hormontherapie gegen Muskelschmerzen?

    Bei manchen Frauen ja. In der großen US-amerikanischen Studie Women's Health Initiative berichteten Frauen unter Östrogentherapie seltener über Gelenkschmerzen. Allein wegen Muskelschmerzen wird eine Hormontherapie in der Regel nicht begonnen. Bestehen gleichzeitig andere Wechseljahresbeschwerden, gehört sie in die Abwägung in der gynäkologischen Praxis.

    Helfen Magnesium oder Vitamin D?

    Für beide gibt es zugelassene Angaben: Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei, Vitamin D trägt zur Erhaltung einer normalen Muskelfunktion bei. Ein zusätzlicher Nutzen ist vor allem bei einem tatsächlichen Mangel zu erwarten, was sich bei Vitamin D über eine Blutuntersuchung klären lässt. Aussagen zur Linderung von Muskelschmerzen sind für Nahrungsergänzungsmittel nicht zulässig.

    Was ist das muskuloskelettale Menopausensyndrom?

    Ein 2024 von Fachleuten vorgeschlagener Begriff, der Muskel- und Gelenkschmerzen, Muskelabbau, Knochenschwund und Sehnenbeschwerden in den Wechseljahren zusammenfasst. Ziel ist, dass diese Beschwerden in der Praxis häufiger mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht und gezielter behandelt werden. Als offizielle Diagnose ist der Begriff bisher nicht etabliert.

    Wann sollte ich zum Arzt gehen?

    Wenn Muskelschmerzen über mehrere Wochen anhalten, den Alltag einschränken oder trotz Bewegung und Wärme zunehmen. Sofort oder noch am selben Tag gehören plötzliche Muskelschwäche, dunkler Urin mit starken Muskelschmerzen, eine einseitig geschwollene Wade und neue Kopfschmerzen an den Schläfen ab 50 abgeklärt, ebenso eine Morgensteifigkeit, die länger als 45 Minuten anhält.


    Fazit

    Muskelschmerzen gehören zu den häufigsten und am meisten unterschätzten Beschwerden der Wechseljahre. Sinkendes Östrogen macht die Muskulatur empfindlicher, verlangsamt ihre Regeneration und beschleunigt den Abbau von Muskelmasse. Gestörter Schlaf und Stress senken zusätzlich die Schmerzschwelle.

    Weil in derselben Lebensphase auch andere Ursachen häufiger werden, lohnt eine gezielte Abklärung. Vitamin-D-Mangel, Schilddrüsenunterfunktion, Eisenmangel und Nebenwirkungen von Medikamenten lassen sich mit wenigen Blutwerten und einem Blick auf die Medikamentenliste eingrenzen. Ab 50 gehört bei beidseitigen Schmerzen und langer Morgensteifigkeit in Schultern und Hüften die Polymyalgia rheumatica dazu.

    Der wirksamste Hebel liegt im eigenen Alltag: regelmäßiges Krafttraining, Bewegungspausen, ausreichend Eiweiß und besserer Schlaf. Diese Maßnahmen verringern die Beschwerden und schützen gleichzeitig Knochen, Stoffwechsel und Herz. Eine Hormontherapie kann ergänzend helfen, wenn auch andere Wechseljahresbeschwerden bestehen.

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    Quellen und weiterführende Information

    1. Lu CB et al.: Musculoskeletal pain during the menopausal transition, systematic review and meta-analysis, Menopause, 2020.
    2. Wright VJ et al.: The musculoskeletal syndrome of menopause, Climacteric, 2024.
    3. Greendale GA et al.: Changes in body composition and weight during the menopause transition, Study of Women's Health Across the Nation, JCI Insight, 2019.
    4. Chlebowski RT et al.: Estrogen alone and joint symptoms in the Women's Health Initiative randomized trial, Menopause, 2013.
    5. Weltgesundheitsorganisation: Leitlinien zu körperlicher Aktivität und sitzendem Verhalten, 2020.
    6. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Protein.
    7. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie: S3-Leitlinie zur Behandlung der Polymyalgia rheumatica.
    8. Robert Koch-Institut: Informationen zur Vitamin-D-Versorgung in Deutschland.
    9. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung zugelassener gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel.
    Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die dargestellten Informationen geben den Stand der medizinischen Diskussion wieder und stellen keine gesundheitsbezogenen Aussagen im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 dar. Muskelschmerzen haben viele mögliche Ursachen, die ärztlich abgeklärt gehören. Bei Schmerzen in Brust, Oberbauch, Rücken oder Kiefer mit Atemnot, Übelkeit oder Schweißausbruch, bei plötzlicher Atemnot oder plötzlichen Sehstörungen ist der Notruf 112 zu wählen. Plötzliche Muskelschwäche, dunkler Urin mit starken Muskelschmerzen, eine einseitig geschwollene Wade und neue Kopfschmerzen an den Schläfen ab 50 gehören noch am selben Tag ärztlich abgeklärt. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117. Medikamente sollten niemals eigenmächtig abgesetzt oder verändert werden. Vor dem Einstieg in ein Training sollten Personen mit Vorerkrankungen von Herz, Kreislauf oder Gelenken ärztlich beraten werden. Die Angaben zu Vitamin C, Magnesium und Vitamin D sind nach Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zugelassene Angaben und beziehen sich auf die normale Nährstoffversorgung, nicht auf die Behandlung von Beschwerden. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise und ersetzen keine ärztliche Behandlung. Personen unter ärztlicher Behandlung, mit Vorerkrankungen oder mit hormonabhängigen Erkrankungen in der Vorgeschichte sollten die Einnahme vorab ärztlich besprechen. Rewake kommuniziert bewusst ohne Heilversprechen.